Schluss mit Schlaraffenland

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Warum die Milliarden plötzlich nicht mehr vom Himmel regnen, wie Gabriel schon wieder danebengreift, und wer wem die Rente zahlt / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

Quelle: PAZ 07.05.16

Ziemlich schnell wurden wir aus dem Schlaraffenland wieder vertrieben. Was waren das für tolle Monate! Zuvor mussten wir jahrzehntelang knausern, schmetterten Politiker unsere Wünsche mit dem Hinweis ab, dass sie angeblich nicht finanzierbar seien.
Seit Sommer 2015 aber war plötzlich alles anders. Die Euronen regneten in dichten Schauern wie Manna vom Himmel. Milliarden und Abermilliardern konnten für Flüchtlinge, die aus Österreich zu uns geflüchtet waren, bereitgestellt werden, „ohne dass jemandem etwas weggenommen wird“. Nicht einmal Schulden musste der Staat dafür machen, denn, so Wolfgang Schäuble, „die schwarze Null steht“.

Viele Leute sind von dem Geldsegen unerwähnter Herkunft reich geworden: Betreuungs- oder Sicherheitsunternehmer, Vermieter von (bislang unvermietbaren) Immobilien oder Container-Hersteller. Ob sie das verdient hatten oder nicht, interessierte niemanden. Wer wollte und die Möglichkeit hatte, konnte herzhaft zugreifen und sich am Ende sogar noch für sein „zivilgesellschaftliches Engagement“ moralisch überzuckern lassen. Es war wunderbar.

Vorbei. Seit Kurzem ist alles wieder wie vorher. Die ergiebigen Euronen-Schauer haben sich verzogen und der altbekannten finanziellen Dürre Platz gemacht, in der die grauen Pfennigfuchser ihr rabiates Regime erneut aufrichten konnten. In den politischen Debatten der Republik wird wieder strengstens gerechnet. Immerzu fragt einer nach der „langfristigen Finanzierbarkeit“, nach den „Grenzen der Belastbarkeit von Beitragszahlern und öffentlichen Haushalten“.

Woran liegt das bloß? Vielleicht hat der Themenwechsel den tragischen Wettersturz ausgelöst. Es geht in den aktuellen Diskussionen nämlich nicht mehr vorrangig um Asylbewerber, sondern um die heimischen Rentner, insbesondere um die von morgen. Da schauen die Politiker ganz genau hin, wer was bekommt, ob er das auch verdient hat und was das alles kosten wird.

Der Debattenschwenk vom Asylgeld-Segen zum Renten-Geknauser ging von den Sozialdemokraten aus. Denen laufen bekanntlich die Wähler davon. Grund des Bürger-Grolls ist, dass die einstige Partei der kleinen Leute in deren Augen zur Partei der fremden kleinen Leute und großen Asylgewinnler mutiert ist.

Als Gegenmaßnahme gegen den Vertrauensverlust hatte Sigmar Gabriel die Losung ausgegeben, man müsse sich wieder verstärkt um die Einheimischen kümmern. Dabei hatte er das Rentenloch entdeckt, in das jedes Jahr mehr Deutsche hineinfallen, um sich dort unten mit der Grundsicherung durch den Lebensabend zu quälen.

Da hagelt es nun Lösungsideen: Lebensleistungsrente oder „Deutschland-Fonds“ heißen zwei Schlagwörter. Die Lebensleistungsrente zielt darauf ab, dass es für die Rentenhöhe immer gleichgültiger sein soll, wie viel einer eingezahlt hat. „Deutschland-Fonds“ heißt die neue Riester-Rente, die nach dem Erfolg der alten entsprechend begeistert aufgenommen werden dürfte. Was sonst noch vorgeschlagen wird, läuft auf gewaltige Beitragssteigerungen hinaus.

Mit anderen Worten: Gabriels Schuss geht, wie alle seine schlauen Ideen, krachend nach hinten los. Muss er aber auch immer alles falsch machen! Allein die zeitliche Abstimmung ist eine Katastrophe. Der krasse Wechsel von der paradiesischen Geldverschleuderei zugunsten der Asylbewerber zur gramverknitterten Kostendebatte bei den Renten hat dem Letzten enthüllt, dass er mit dem Verdacht, den Gabriel eigentlich entkräften wollte, völlig richtig liegt: Nämlich dass Leute, die vom Ausland hereinschneien, bevorzugt behandelt werden.

Überdies sind es bis zur nächsten Bundestagswahl noch fast anderthalb Jahre. Wären es bloß ein paar Wochen, könnten die Politiker sich gegenseitig mit den unhaltbarsten Versprechungen überbieten und so das entzückte Volk hinter sich scharen. Anderthalb Jahre aber genügen, um jede ihrer wortreich ausgeschmückten  Spinnereien auffliegen zu lassen. Zumal der Glaube der Deutschen an ihre Rentenpolitiker ohnehin ein wenig erschüttert ist, seit sich 16 Millionen Leute von einem SPD-Minister auf die Leimruten der Versicherungskonzerne haben riestern lassen, wo sie seitdem geplündert werden.

Was also wird bei dem anstehenden Renten-Hickhack herauskommen? Am besten für die Politiker wäre es, wenn am Ende gar nichts passiert. In Wahrheit aber steht weit Übleres zu befürchten. Es könnte im Zuge der Debatte nämlich ans Licht dringen, welchen Schaden die Regierungen  am einst so soliden deutschen Rentensystem angerichtet haben mit ihrem Gefinger der vergangenen 15 Jahre; dass es keineswegs nur dem Pillenknick geschuldet ist, dass sich dieses früher so verlässliche Regelwerk in ein unkalkulierbares Risiko verwandelt hat. Diese Entdeckung wird den Wählern große Freude bereiten, welche am Wahltag im September 2017 ihren Niederschlag finden dürfte

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Es ist immer eine hässliche Erfahrung, mit den eigenen Fehltritten der Vergangenheit konfrontiert zu werden, das gilt beileibe nicht nur für Rentenpolitiker. Heiko Maas ist seinem eigenen Sündenfall am 1. Mai begegnet. Sein Vergehen: Vor Monaten hatte Maas in einer Runde von Potsdamer Gymnasiasten die Blockade rechter Demos als „cool“ bejubelt. Das war schon was: Solche Blockaden sind ein schwerer Verstoß gegen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit, ebenso wie die massive Störung legaler öffentlicher Versammlungen. Es verblüfft ein wenig, wenn ein Bundesjustizminister Verbrechen an einem fundamentalen Bürgerrecht begrüßt.

Zum Tag der Arbeit wollte Maas nun in Zwickau eine Rede halten. Die aber haben aufgebrachte Bürger derart lautstark gestört, dass der Redner gleichsam „blockiert“ war, schließlich in seine dunkle Dienstlimousine flüchtete und, so Augenzeugen, „mit quietschenden Reifen“ davonsauste. Na? War das „cool“, Herr Bundesminister?

Woher der Ärger der Zwickauer rührt, ist leicht aufzuspüren. Minister Maas hatte, wie andere Politiker auch, gewisse Demonstranten mit unflätigen Schimpfwörtern überzogen, Demonstranten, von denen es in Sachsen besonders viele gibt und denen die Asylpolitik der Bundesregierung auf den Magen geschlagen ist.

Diese Bürger wird es freuen, wenn sie das neueste Kabinettstück zu dem Thema hören, welches die „Zeit“ in einem Online-Video unters Volk bringt. Dort wird berichtet, dass Berlin für Neuzuwanderer 20 Prozent höhere Mietzuschüsse gewährt als es für Hartz-IV-Empfänger herausrückt. Eine interessante Nachricht für alle geschäftstüchtigen Vermieter, von denen einige schon daran arbeiten werden, ihre Hartzer auf die Straße zu bekommen.

Niemandem wird etwas weggenommen? Na ja, wir wollen nicht kleinlich sein. Schließlich werden wir alle dereinst von den neuen Nachbarn profitieren, denn, so schallt es uns täglich um die Ohren, die Zuwanderer bringen Deutschland schließlich voran.

Voran schon, doch in welche Richtung? In einem Gutachten fordert der „Aktionsrat Bildung“ (nach eigenen Angaben ein „Expertengremium renommierter Bildungswissenschaftler“), aus Rücksicht auf die „Flüchtlinge“ die Standards in der deutschen Berufsausbildung abzusenken. An der Schule sollten Lehrer in den Fächern der Naturwissenschaften zudem den Gebrauch von Fachausdrücken einschränken.

Die Experten würzen ihre Vorschläge mit aufschlussreichen Daten darüber, wie weit uns die Zuwanderung in der Vergangenheit schon vorangebracht hat: Danach gehen gut zweieinhalb Mal so viele Ausländerkinder ohne Berufsabschluss ins Leben wie ihre deutschen Altersgenossen.

Hatten wir nicht auch mal was gehört von der segensreichen Wirkung der Zuwanderung auf  die Rentenkasse? Nach diesen Zahlen ahnen wir, wer da später für wen die Rente zahlen soll.

Afrika: Ein entschlossener Afrikaner würde alles tun

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Quelle: Handelsblatt

Afrika: Ein entschlossener Afrikaner würde alles tun

Nach Jahrzehnten des Stillstands und zahlloser unerfüllter Versprechen sitzt Afrika dieser Tage auf gepackten Koffern. Fast die Hälfte der heute bereits mehr als eine Milliarde Menschen im Süden der Sahara würde dem Migrationsexperten Paul Collier zufolge gerne im reichen Teil der Erde leben. Insofern sind die Zehntausende, die gegenwärtig nach Norden ziehen, womöglich nur der Anfang einer viel dramatischeren Entwicklung.

Verwundern kann die Verzweiflung nicht. Allein im korrupten und kaum industrialisierten Nigeria werden jedes Jahr sieben Millionen Kinder geboren – mehr als in ganz Europa zusammen. Dabei liegt die Jugendarbeitslosigkeit in dem bevölkerungsreichsten Land des Kontinents schon jetzt bei mehr als Zweidrittel. Woher die Schulen, Krankenhäuser und vor allem Jobs für die vielen jungen Menschen kommen sollen, kann niemand sagen. Nach Ansicht von Experten wie Collier würde ein entschlossener Afrikaner nahezu alles tun, um irgendwie ins vermeintlich gelobte Europa zu gelangen.

Bis zu 4000 Euro kostet der gefährliche Trip aus dem Süden durch die Sahara. Ganze Familien verschulden sich, um einem Angehörigen die Ausreise zu ermöglichen – in der Hoffnung, davon durch dessen Rücküberweisungen alsbald ganz direkt zu profitieren. Die formelle Route per Visaantrag hat sich für viele Afrikaner als zu zeitraubend und angesichts ihrer fast immer fehlenden Qualifikationen am Ende auch als kaum erfolgversprechend erwiesen. Viele der Bewerber können zudem die Finanzierung der Reise nicht ausreichend belegen. So bleibt oft nur der Versuch, auf illegalem Wege mit Hilfe von Schleppern nach Europa zu gelangen – ungeachtet der jüngsten Übergriffe auf einzelne Asylantenheime.

Zwar wird in einigen Ländern Afrikas durch die internationalen Agenturen kurz und unspektakulär über diese Vorfälle berichtet. Eine abschreckende Wirkung hat das hingegen kaum. Vermutlich liegt dies vor allem daran, dass viele Afrikaner auf dem eigenen Kontinent weit schlimmere Zustände antreffen. Jede Woche kann man zum Beispiel in südafrikanischen Zeitungen von gewalttätigen Übergriffen Einheimischer auf Afrikaner aus anderen Teilen des Kontinents lesen, insbesondere aus Simbabwe und Somalia, von wo die meisten der Immigranten stammen. Immer wieder werden in den Townships um Johannesburg, Durban oder Kapstadt Hütten und kleine Läden afrikanischer Zuwanderer abgefackelt und geplündert.

Viele arme Südafrikaner machen schwarze Immigranten für die eigenen Missstände verantwortlich – für ihr anhaltendes Elend, die fehlenden Jobs oder die überbordende Kriminalität. Selbst bei den formell eingereichten Visaanträgen bereitet den westlichen Botschaft die oft mangelnde Rückkehrbereitschaft vieler Antragsteller seit langem große Sorgen. Schließlich ist der ganz überwiegende Teil von ihnen männlich, ledig und zwischen 20 und 30 Jahre alt – und hat somit keine große Perspektive in einem vom Bürgerkrieg und einer unfähigen Regierung heruntergewirtschafteten Land. Wer einmal ein eigentlich nur drei Monate gültiges Touristenvisum in Händen hält, wird deshalb auch so schnell nicht wieder gesehen.

Die allermeisten Afrikaner sind über Deutschland selbst nur äußerst oberflächlich informiert und erwarten dort in der Tat oft eine Art Schlaraffenland. Selbst unter der kleinen afrikanischen Elite dominieren Klischees. Das Wissen erschöpft sich zumeist in den Namen einiger prominenter Kicker und den drei großen Automarken. Von Problemen in Deutschland wissen die allerwenigsten. Überhaupt ist die Kenntnis über andere Länder, selbst über die eigenen Nachbarstaaten, in Afrika für gewöhnlich gering und zumeist auf die frühere Kolonialmacht beschränkt. Angesichts der geringen Mittel haben afrikanische Zeitungen nirgendwo eigene Korrespondenten, die berichten könnten, sondern sind vollständig auf ausländische Agenturen angewiesen. Selbst jetzt, mitten in der Flüchtlingswelle, sind Deutschland-Berichte in den afrikanischen Medien fast nie zu finden.

Naiv sind die meisten Flüchtlinge und ihre Angehörigen dennoch nicht. Obwohl die Medien nur wenig über die Notlage der Emigranten und die für sie oft sehr schwierigen Lebensverhältnisse in Europa informieren, wissen viele Afrikaner Umfragen zufolge dennoch durch Erzählungen recht gut über die mit der Reise nach Europa verbundenen Risiken Bescheid. Doch der Leidensdruck daheim, so hat es den Anschein, ist trotzdem oft noch viel höher und animiert immer mehr dennoch zum Aufbruch.

Wolfgang Drechsler, Kapstadt

Die Forderungen der „neuen Deutschen“

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Man stelle sich vor: Sie, als deutschstämmig geborener Deutscher, gehören zu den „alten Deutschen“, die „neuen Deutschen“ fordern unabhängig von ihrer Qualifikation und ungeachtet der Tatsache, dass Migranten alles andere als qualifizierte, dringend benötgite Facharbeiter sind, Quoten in Unternehmen und der Politik. Wer jetzt noch gezielte Überfremdung leugnet, muss der Realität ziemlich entrückt sein. Niemand wird zum Deutschen durch ein Stück Papier oder Plastik. Sie erkennen doch auch Japaner und Chinesen, und das ganz ohne dass sie erst den Ausweis sehen müssen. Und erkennen Sie noch Deutsche?

„Neue Deutsche“ müssen einen angemessenen Anteil an der Belegschaft in Behörden und in Parlamenten haben!

Achten Sie auf die Formulierungen, ein reinrassiger Neger (ein neuer Deutscher, wie es politisch korrekt wohl jetzt heißen muss) wird unten als jemand dargestellt, der „irgendwann mal“ in seiner Ahnenreihe ein paar Neger hatte…

Quelle u.a: N-TV

Zuwanderer vernetzen sich„Neue Deutsche“ pochen auf ihren Platz

Von Issio Ehrich

Viele Kinder und Enkel von Zuwanderern fühlen sich als Deutsche. Etliche „Biodeutsche“ sehen das anders. Rund 80 Initiativen sogenannter „neuer Deutscher“ vernetzen sich deshalb, um sich ihren Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen. Zur Not mit Quoten.

Ein Wort reicht, und die Herkunft dieses Mannes ist klar: Tahir Della kommt aus Bayern. Fragt man ihn trotz seines unüberhörbaren Dialekts, woher er stammt, antwortet er: „Aus München.“ Della wünscht sich, dass sich die Leute mit dieser Antwort zufrieden gäben. Doch das tun viele nicht. „Woher kommst du wirklich?“, heißt es dann.

Menschen mit Migrationshintergrund

Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge haben 20 Prozent der Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund. Davon sind Zwei Drittel Migranten erster Generation, also Zuwanderer im engeren Sinne. Die übrigen sind die Kinder der Zuwanderer. Bei Kindern unter zehn Jahren hat bereits jedes dritte Kind einen Migrationshintergrund.

Diverse Studien haben bereits dargestellt, dass Menschen ohne Migrationshintergrund verschiedenste Vorurteile hegen. Laut einer Bertelsmann-Studie haben sie zum Beispiel eine unverhältnismäßig große Angst vor dem Islam. Einer Studie der Universität Bielefeld zufolge sprechen viele von ihnen Menschen mit Migrationshintergrund nicht dieselben Rechte zu wie Herkunftsdeutschen. Dabei spielt für sie keine Rolle, ob die Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland geboren wurden oder nicht.

Dass es irgendwo in Dellas Ahnenreihe einmal jemanden gegeben haben muss, der kein „Biodeutscher“ war, ist offensichtlich. Der 52-Jährige ist schwarz. Und das hat Folgen. Die scheinbar harmlose Frage nach der „wirklichen“ Herkunft ist dafür nur ein Symbol.

Schwarzen Deutschen werde immer wieder abgesprochen, Teil dieser Gesellschaft zu sein, klagt Della. Dass auch sie die Geschichte dieses Landes mitgeprägt haben, würden ihnen viele absprechen. Della, Vorstandsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) will das jetzt ändern – zusammen mit Unterstützern von rund 80 anderen Initiativen von Menschen, die zwar in Deutschland geboren wurden, aber einen Migrationshintergrund haben.

Am Wochenende haben sich die Initiativen erstmals zu einem Bundeskongress getroffen. Dabei waren nicht nur Vertreter bestimmter Zuwanderungsgruppen wie das Deutsch-Spanische Forum oder der Deutsch-Türken-Verband. Dabei waren auch Verbände, die für bestimmte Religionsgruppen stehen. Das Ergebnis: Die Organisationen wollen so etwas wie einen Dachverband gründen, um effektiver für den Platz sogenannter „neuer Deutscher“ in der Gesellschaft zu kämpfen.

Mit dem Begriff „neue Deutsche“ wollen sie sich schon sprachlich von den klassischen Lobbygruppen für Migranten abgrenzen. Ihnen geht es darum, sich nicht mehr ethnisch zu definieren, sondern als Teil des deutschen Volkes. „Es ist an der Zeit, die Unterscheidung zwischen Biodeutschen und anderen aufzubrechen“, sagt Della.

Ein Dutzend Forderungen

Tahir Della (r.) und andere Vertreter der "neuen Deutschen" sagen in Anlehnung an Pegida: "Auch wir sind das Volk". Tahir Della (r.) und andere Vertreter der „neuen Deutschen“ sagen in Anlehnung an Pegida: „Auch wir sind das Volk“.(Foto: picture alliance / dpa)

Die „neuen Deutschen“ haben mehrere Forderungen formuliert:

  • Neue Deutsche sollen selbst darüber entscheiden können, wie sie genannt werden.
  • Diese Selbstbezeichnung sollen andere ohne „bohrende Nachfragen“ annehmen.
  • Die Bundesrepublik soll sich nicht nur dazu bekennen, ein Einwanderungsland zu sein, sondern sich auch zu ihrer Einwanderungsgesellschaft bekennen.
  • Es sollte eine Gesellschaftspolitik statt einer Integrationspolitik geben, eine Politik also, die sich nicht nur auf Migranten konzentriert, sondern auch Maßnahmen gegen Diskriminierung beinhaltet.
  • Die Geschichte des Einwanderungslandes Deutschland muss in den Lehrplänen präsenter sein.
  • „Neue Deutsche“ müssen einen angemessenen Anteil an der Belegschaft in Behörden und in Parlamenten haben.
  • Solange der Anteil „neuer Deutscher“ in diesen Institutionen unter ihrem Anteil an der Bevölkerung liegt, muss auch über eine Quote gesprochen werden.
  • Initiativen „neuer Deutscher“ sollen mehr Fördermittel bekommen.
  • Auch Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit und Homophobie sollen mehr Geld kriegen.

Vor allem die große mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit der islamkritischen Bewegung Pegida hat Leute wie Della noch einmal bestärkt, sich zusammenzuschließen, um etwas zu verändern. Della sagt: „Pegida ist eine komplett rassistische und islamfeindliche Bewegung.“

Eine der Forderungen der „neuen Deutschen“ ist es auch vor diesem Hintergrund, künftig keine Debatten über einzelne Religionsgruppen mehr zu führen. Die seien weder hilfreich für die Gesellschaft noch gut für das Ansehen Deutschlands in der Welt.

Das Dilemma vom „Wir“ und „Die“

Leila Younes El-Amaire von der Initiative junger Muslime, Juma, sagt: Ob man finde, der Islam gehöre zu Deutschland oder nicht, sei letztlich egal. Fakt sei: „Die Religionsfreiheit gehört zu Deutschland.“ El-Amaire, die selbst Kopftuch trägt, beschreibt, dass sich viele Muslima gar nicht mehr trauten, einen Schleier anzulegen.

Ferda Ataman vom Verein Neue deutsche Medienmacher versucht auch Fernsehen, Zeitungen und andere Publikationen in die Pflicht zu nehmen. Dass in der Sendung von Günther Jauch zu Pegida kein Vertreter mit Migrationshintergrund dabei war, hält sie für ein schweres Versäumnis. Von denen, über die gesprochen wurde, sei niemand dabei gewesen, kritisiert sie.

Dass sich die neuen Deutschen Organisationen mit Forderungen wie Quoten oder der Gründung eines Dachverbandes angreifbar machen, ist ihnen durchaus bewusst. Gewissermaßen manifestieren sie damit ja das „Die“ und „Wir“, das sie eigentlich zu überwinden versuchen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre – sei es nun die Sarrazin-Debatte oder das Aufkeimen der Pegida-Bewegung – zeigen sie sich offensichtlich mehr denn je davon überzeugt, dass sie ohne derartige Vehikel nur schwer vorankommen. Das Argumentationsmuster: Organisationsformen und Quoten sind notwendig, um sich als Minderheit selbst zu ermächtigen und überhaupt Aufmerksamkeit für die Probleme zu erzeugen. Eines Tages, so die Hoffnung, sind sie dann nicht mehr nötig.

Durch Migranten lebendig verbrannt – selbst Schuld?

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Verhöhnt er die von Migranten ermodete Maria, der böse Herr Däbritz, wie die Lügenpresse behauptet, oder hat er einfach nur Recht? Entschuldigungen für eventuelle Beleidigungen sind wohl eher überflüssig und dem öffentlichen Druck unter dem Vorsatz der Existenzzerstörung des Meinungsäußerers geschuldet.

Wollten Sie schon immer mal jemanden brennen sehen?

Quelle: N-TV

„Selbst schuld“

Pegida-Organisator verhöhnt ermordete Maria

Der brutale Mord an der 19-jährigen Maria P. in Berlin ist Anlass für einen Pegida-Verantwortlichen, über das Thema Integration zu hetzen. Die schwangere Frau hätte eben wissen müssen, mit wem sie sich einlasse, schreibt Siegfried Däbritz bei Facebook.

Ein weiterer Pegida-Verantwortlicher verursacht Aufsehen: Mitorganisator Siegfried Däbritz schreibt auf Facebook, die in Berlin ermordete hochschwangere Maria P. sei selbst schuld, dass das Drama passierte – weil sie sich mit einem Ausländer eingelassen habe. Ihr Ex-Freund Eren T. (19) und sein mutmaßlicher Komplize Daniel M. (19) sollen ihr mit einem Messer zweimal in den Bauch gestochen und sie dann bei lebendigem Leib verbrannt haben.

Bei seiner Aussage hatte sich Däbritz auf das mittlerweile gelöschte Facebook-Profil Marias bezogen. Dazu schreibt er: „Maria hatte sich erfolgreich in die Gesellschaft der Zuwanderer integriert/assimiliert, sie konvertierte zum Islam, religiöse Kitschbilder sind gepostet usw. es ist alles dabei, sie hat sich sozusagen erfolgreich türkisiert/islamisiert. Sie hat genau gewusst, worauf sie sich einlässt, genau wie die Frau vom Integrationsbambipreisträger Bushido und genau wie eine Freundin meiner Frau, die einem Hasan in den Westen folgte und mittlerweile auch nur noch auf die Fresse bekommt und das Haus nicht mehr verlassen darf, ohne dass ein männlicher Verwandter Ihres Liebsten dabei ist.“ Zum Abschluss zitiert Däbritz Bertolt Brecht: „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“

Siegfried Däbritz ist mit dieser Aktion der zweite Pegida-Verantwortliche, der negativ auffällt. Erst vor einer Woche hatte Cheforganisator Lutz Bachmann mit ausländerfeindlichen Äußerungen und einem Foto, auf dem er als Adolf Hitler posierte, für Empörung gesorgt. Das sorgte für massiven Ärger in der islamfeindlichen Bewegung selbst. Nach interner Kritik trat Bachmann zurück. Die gesamte Bewegung befindet sich seitdem in einer Krise und droht zu zersplittern.

Däbritz verteidigt Eintrag

Der Facebook-Eintrag ist inzwischen gelöscht worden. In der „Bild“-Zeitung verteidigte Däbritz unterdessen seinen Eintrag: „Ich will niemanden verhöhnen. Ich wollte nur mit drastischen Worten darauf aufmerksam machen, welche schrecklichen Dinge passieren können, wenn man in einen fremden Kulturkreis eintaucht, ohne sich der Konsequenzen, die dadurch entstehen können, bewusst zu sein.“ Und: „Sollte sich jemand beleidigt fühlen, entschuldige ich mich.“

Däbritz ist Betreiber einer Pension in Meißen, tritt im Internet als Waffennarr und Islamhasser auf. Muslime bezeichnet er als „bärtige Ziegenwämser“ oder „Schluchtenscheißer“. Er war bei der Gruppierung „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) aktiv und zuvor Mitglied der FDP. In seiner Heimatstadt Meißen saß er im Vorstand der Liberalen.

Übrigens: Der Lyriker und Dramatiker Bertolt Brecht (1898-1956) gehört zu den einflussreichsten deutschen Kulturschaffenden des 20. Jahrhunderts. Auch an anderer Stelle hatte er Menschen mit Kälbern gleichgesetzt: In seinem „Kälbermarsch“ (1943) – einer Parodie auf das Horst-Wessel-Lied der Nazis – heißt es: „Hinter der Trommel her trotten die Kälber. Das Fell für die Trommel liefern sie selber.“