Zwei Frauen, neun Kinder – Syrer im Paradies

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Quelle: PAZ

Wie das Boot doch noch voll wurde, warum das Demonstrationsrecht weg muss, und wieso es demnächst ziemlich hässlich werden könnte

Hans Heckel

01.08.15

Immer wenn wir meinen, saftiger kann es nicht mehr kommen, setzen sie noch einen drauf. Bebend vor Erschütterung liest man den Deutschen die Leviten: Bis zum 6. Juni sei es zu 202 Übergriffen auf Asylbewerberheime gekommen. Das seien bereits mehr als im gesamten Vorjahr. Schämt euch, ihr finsteren Teutonen!

Nur ganz nebenbei erfahren wir, was da alles mitgezählt wird. Neben Brandanschlägen mit unbekanntem Urheber oder hässlichen kleinen Hakenkreuzmalereien werden auch friedliche Proteste vor Asylheimen offiziell als „Übergriff“ gelistet, berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“. Sprich: Wer vor so einem Heim eine Meinung zum Thema „Asyl“ äußert, die den Mächtigen nicht passt, begeht eine Untat, die von den großen Medien in einer „Liste der Schande“ aufgeführt wird.

Deshalb soll mit solchen Kundgebungen endlich Schluss sein. Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), fordert eine weitläufige Bannmeile um alle Asylheime der Republik. Einen Kilometer um die Einrichtungen herum sollten alle Demonstrationen verboten werden, um die „Flüchtlinge“ vor „Übergriffen“ (wie eben solchen Kundgebungen) und Ausschreitungen zu schützen.

Sie erinnern sich an die Prognose des Hamburger Sozialsenators Detlef Scheele, die wir hier vergangene Woche zitiert haben? Egal, wo man künftig in der Hansestadt vor die Tür trete, werde man in höchstens einem Kilometer Entfernung auf eine Asylunterkunft treffen, so der SPD-Politiker. Geht es nach dem DPolG-Chef, sollen sich die Hamburger also in die Wälder scheren, wenn sie etwas zur Zuwanderungspolitik sagen möchten.

Allerdings könnte es auch da draußen bald eng werden. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat vorgeschlagen, die Asylsucher in „entvölkerte Gebiete“ der neuen Bundesländer zu verfrachten.

Der Vorschlag erstaunt uns. Noch im vergangenen September tönte der Grünen-Politiker im Gespräch mit der „Zeit“: „Das Boot ist nie voll.“ Soll heißen, Deutschland im Allgemeinen und Baden-Württemberg im Besonderen verfügen über eine schier unbegrenzte Aufnahmefähigkeit.

Das Boot ist nie voll? Dass Kretschmann sich ein Wasserfahrzeug mit unbegrenzter Ladekapazität einbilden konnte, schoben Norddeutsche – ein wenig hochnäsig – auf die Tatsache, dass er im Schwabenland großgeworden ist. Derart fern von jeder Küste mag man so ein Vehikel ja für machbar halten. Wer dagegen  Nord- oder Ostsee schon mal „in Aktion“ sah, der hat eine sehr plastische Vorstellung davon, was diese Meere mit einem überladenen Kahn anstellen.

Offenbar ist Kretschmann mittlerweile ebenfalls um diese maritime Erfahrung reicher. In etlichen Kommunen seines Landes dringt die Asylflut schon von außen durchs Speigat und schießt über Deck. Daher werden jetzt Lenzpumpen verlangt, welche die Flut auf andere Schiffe umleiten sollen.

Deren Offiziere werden sich aber freuen. Denn auch in den neuen Bundesländern haben die Politiker mit wachsendem Unmut über die immer höheren Flutwellen zu kämpfen. Im sächsischen Freital herrscht bereits so etwas wie Ausnahmezustand: Jegliche „Zusammenrottung“ ist verboten worden, weil die Demonstrationen gegen Asylbewerberheime nicht abreißen wollten. Das mit der „Bannmeile“ nimmt dort Gestalt an.

Als wenn das nicht schlimm genug wäre, stellt sich für Wendt und ähnlich gestrickte Diskutanten noch ein ganz anderes Problem. Mit der Bannmeile wären die Asylbewerber zwar vor den Deutschen und deren Meinung geschützt. Aber wer schützt die Asylbewerber vor der Hauptgefahr, die sie bedroht – nämlich vor anderen Asylbewerbern?

Seit Anschwellen der jüngsten Flut ist zum Glück noch keiner der nach Deutschland Strömenden von einem Deutschen ermordet oder totgeschlagen worden. Sehr wohl aber fielen bereits mehrere „Flüchtlinge“ den Attacken ihrer Wandergenossen zum Opfer. Jede Woche laufen zudem von irgendwo im Lande Meldungen ein über wüste Schlägereien unter Asylsuchenden.

Warum das kaum für Aufsehen sorgt? Warum niemand „Schande!“ schreit und zu „Solidaritätskundgebungen“ aufruft für die Opfer und deren Angehörige?
Ganz einfach: Erstens, weil sich aus solchen Übeltaten kein politisches Kapital schlagen lässt und zweitens, weil die Asylsucher keine politische Gefahr für die Machthaber darstellen. Demonstrierende Deutsche aber tun das sehr wohl, weshalb es gilt, auch den friedlichsten unter ihnen die „moralische Mitschuld“ an Gewalttaten einer kleinen, durchgeknallten Minderheit in die Schuhe zu schieben.

Dadurch bekommen die Deutschen nämlich Angst, in die Nazi-Ecke geschoben oder mit besinnungslosen Menschenhassern in eine Reihe gestellt zu werden – und verziehen sich artig in ihre Löcher. Ja, liebe Leute: So macht man Politik, Machtpolitik gegen die eigenen Bürger.

Und es klappt hervorragend, oder? ODER? Im fränkischen Mainstockheim ist das passiert, was nie hätte passieren dürfen. Nachdem zwei Dutzend Asylbewerber das Dorf dermaßen terrorisiert haben, dass den Bewohnern der Kragen geplatzt ist und es beinahe zu handfesten Tumulten gekommen wäre, hat die Politik entschieden, das dortige Asylheim aufzulösen und die Insassen woandershin zu verlegen.

Sie haben sich also dem Bürgerwillen gebeugt, so, also wäre das hier eine Demokratie, wo die Bürger was zu sagen haben. Bislang stand den aufmüpfigen Deutschen eine eiserne Front der Mächtigen gegenüber, von denen ihnen barsch beschieden wurde: Wie viele Asylbewerber Deutschland aufnimmt und wo die untergebracht werden, entscheiden wir allein. Wenn ihr nicht kuscht, dann schicken wir unsere Rollkommandos von der „Antifa“ und unsere bellenden Journalisten, die euch vor der versammelten Medienkundschaft zur brauen Minna machen!

Und nun das: Rückzug. Mainstockheim könnte von dem Pöbel, der sich deutsches Volk nennt und sich für den „Souverän“ einer „Demokratie“ hält, als Signal verstanden werden: Es geht, wir können mitreden, wenn wir nur zäh genug darum kämpfen. Eine ka­tastrophale Botschaft, wenn man bedenkt, was noch kommt.

Was kommt denn noch? Nun, 80 Prozent der Asylbewerber und Flüchtlinge sollen junge Männer sein. Wenn die erst Asylrecht haben, dürfen sie ihre Familien nachholen. Das „Darmstädter Echo“ gibt einen Vorgeschmack darauf, wie das werden könnte. In Südhessen habe ein Syrer gerade seine „zwei Frauen und neun Kinder“ nachgeholt, was die aufnehmende Gemeinde „vor eine große Herausforderung“ stelle. Müssen wir also an die Zahl der jungen Männer, die schon hier sind, noch eine Null dranhängen, um zu ermessen, was demnächst über die Grenze drängen wird?

Jetzt mal halblang, keine Panikmache, bitte. Wahrscheinlich sind von denen die meisten ja gar nicht verheiratet und ohne Kinder. Das mag sein, aber was macht das? Ein Mann, der für sich und alle Seinen die sozialen Ansprüche des deutschen Asylstatus genießt, der ist vom Senegal bis Syrien eine geradezu glänzende Partie. Da dürfte die Brautsuche in der Heimat keine große Sache mehr sein.

Das wird dann nicht bloß die deutschen Kommunen „vor eine große Herausforderung“ stellen, sondern auch die großen Staats- und Konzernmedien. Die mühen sich ja jetzt schon bis über den Rand der Erschöpfung hinaus (vor allem der Erschöpfung jeder journalistischen Berufsehre) darum, die Propagandafront zwischen ihren Kunden und der Wahrheit zu verteidigen. Wenn das mit den „zwei Frauen und neun Kindern“ erst so richtig ins Rollen kommt, könnte diese Front zusammenbrechen. Danach dürfte es wirklich spannend werden in Deutschland. Und ziemlich hässlich.

Die Stunde der Welterklärer

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Die Stunde der Volksverhetzer Welterklärer

Während in Dresden und vielen anderen deutschen Städten die Stunde der Patrioten schlägt, schlagen in den Regierungsgebäuden und Ministerien, den Redaktionsstuben und Sendezentralen, den Think Tanks und Welterklärungsfabriken die Volksverhetzer Welterklärer wild um sich. Sie haben jetzt ihre allerletzte große Stunde.

(Von Iuvenal – Quelle: PI-NEWS.net)

Die Volksverhetzer Welterklärer erklären uns, warum wir nicht sind, wer wir sind, warum wir nicht wissen, was wir wissen, und warum wir nicht wollen, was wir wollen. Aus Liebe zum Vaterland destillieren sie Hass, aus Patriotismus Fremdenfeindlichkeit und aus der Ablehnung der Islamisierung Verachtung der Muslime. Bei näherem Hinsehen sind es aber die diffusen Ängste nicht der Demonstranten, sondern der Volksverhetzer Welterklärer selbst, die so in den Diskurs hineingetragen werden. Denn die professionellen Lügen der Volksverhetzer Welterklärer zerbrechen an einer wachsenden, zunehmend unüberbrückbaren kognitiven Dissonanz.

Beispielhaft sei hier der Mitherausgeber der FAZ, Berthold Kohler, herausgegriffen, der in seinem jüngsten Pegida-Verriss der Weisheit letzten Stuss Schluss gefunden hat. Eine Analyse seines Ergusses ist hilfreich, weil sie aufzeigen kann, wie das Unbehagen der Eliten am eigenen Ungenügen sich in der Schelte am Pöbel da draußen abarbeitet.

Das hebt schon mit der Überschrift an:

Pegida-Proteste: Schrecklich einfach

Aus Sicht der Welterklärer darf die Welt nicht einfach sein, ziehen sie doch ihre Legitimität aus der vielbeschworenen Komplexität der Welt, die es erforderlich mache, sie den Unwissenden durch die Wissenden täglich neu zu erklären. Es geht hier also um die Sicherung des Interpretationsmonopols der Eliten. Wie die Aristokratie der Antike, die Kirche im Mittelalter und die Parteiorganisation in totalitären Systemen gibt es eine Gruppe von Menschen, die für sich in Anspruch nimmt, die Komplexität der Welt reduzieren und die unübersichtlichen Systeme so aufschlüsseln zu können, dass sie den kindlich unreifen Massenmenschen erstmals ansatzweise zugänglich werden. Was einfach ist, ist schrecklich einfach, denn es ist schrecklich, wenn das Interpretationsmonopol durch den Prozess der Aufklärung angegriffen wird, in dem die Menschen anfangen, sich der fremden Leitung ihres Verstandes zu entledigen und selbst zu denken. Genau das aber kann geschehen, wenn den Bürgern vorgeschrieben wird, sich bereichert zu fühlen, während es ihnen finanziell immer schlechter geht, während wachsende Horden in Deutschland einfallender Fremder es sich auf ihre Kosten immer besser gehen lassen. Die Alltagserfahrung ist dann mit der politisch korrekt gebotenen Sichtweise schlechthin nicht mehr zur Deckung zu bringen, was sich in Irritation, Ablehnung und schließlich Empörung artikuliert.

Die Mystifikation der Welt wird aber konsequent mit der Erklärung

Pegida ist nur die Spitze des Eisbergs.

fortgesetzt. Denn bekanntlich liegt bei einem Eisberg das Wesentliche unter der Wasseroberfläche. Dieses Wesentliche zu erkennen, zu kennen und zu vermitteln, nehmen professionelle Welterklärer seit der altägyptischen Priesterschaft für sich in Anspruch und fahren damit sozial und finanziell gut. So sollen auch die Leser glauben, der Hohler Kohler habe ein Sonderwissen, das er aus humanitärer Gesinnung mit uns zu teilen bereit sei. Wir aber haben ein solches Sonderwissen nicht, denn wir wissen ja nicht, was unter der Wasseroberfläche lauert.

In der Bildunterschrift

Wir sind das Volk?

wird die zentrale Aussage der friedlichen Demonstranten, das deutsche Volk als Querschnitt von Eigenschaften, Einsichten und Meinungen zu repräsentieren, in Frage gestellt. Es ist das Fragezeichen, das hier als priesterliche Technik zum Einsatz kommt. Denn es handelt sich ja nicht um eine ernsthafte Frage, die einer vernünftigen Analyse unterzogen und mit Argumenten pro und contra oder mit kausalen Gründen, die einer wissenschaftlichen Nachprüfung standhalten würden, einer Antwort zugeführt werden soll. Sondern das Fragezeichen gibt selbst schon die Antwort, wie eine rote geschlängelte Linie des Lehrers unter einem falsch geschriebenen Wort in einer ungenügend ausgefallenen Klassenarbeit eines ungezogenen und unaufmerksamen Schülers. Es impliziert, dass ein Wissender von hoher Warte entschieden hat, dass die da unten – also das Volk – nicht das Volk sind. Die kontradiktorische Struktur der Aussage „Das Volk ist nicht das Volk“ kann einem FAZ-Granden natürlich nicht auffallen, da er das Volk von soweit oben betrachtet wie ein rüstiger Spaziergänger den Ameisenhügel, den er mit seinem Wanderstock aufwühlt. Da unten wuselt es, sagt er zu sich selbst. Es wuselt. Dann stößt er mit dem Stock zu, dreht ihn ein wenig hin und her, delektiert sich an der Panik der verwundeten Ameisen und setzt seinen Weg fort.

Ein solches absolut himmelhoch überlegenes Vorgehen setzt natürlich Autorität voraus. Und diese wird ausgeliehen, und zwar gleich mehrstufig:

Die Koalitionen der Kanzlerin werden immer größer. Der Appell Angela Merkels, nicht jenen zu folgen, die „mit Hass in den Herzen“ zu Demonstrationen gegen die angebliche Islamisierung des Abendlandes aufrufen, brachte ihr Lob von allen im Bundestag vertretenen Oppositionsparteien ein, selbst noch von der Linken.

Die FAZ hat also Recht, weil die Bundeskanzlerin Recht hat. Und die Bundeskanzlerin hat Recht, weil alle im Bundestag vertretenen Parteien Recht haben. Und für die Demonstranten bleibt nach dieser Zuteilung von Autorität und Rechthaben von der knappen Ressource Recht nichts mehr übrig, das ihnen zugeteilt werden könnte. Die intellektuelle Dürftigkeit und rhetorische Plattheit seines Arguments („Die Mehrheit hat immer recht.“) entgeht dem FAZken indes ebenso wie der innere Widerspruch seiner Argumentationsstruktur – denn die Parlamentarier sind ja gerade nicht die Mehrheit, sondern eine erschreckend kleine Minderheit, die sich zu der Mehrheit der Bevölkerung immer mehr in einem Verhältnis autistischer Unzulänglichkeit und kommunikativer Inkompetenz ausweist.

Im messianisch anmaßenden Stil („Wahrlich, ich sage Euch!“) fährt der Propagandist des Mainstream weiter fort, indem er nicht eine Feststellung herleitet oder begründet, sondern sie mit der priesterlichen Formel „Es stimmt“ einleitet, um die Richtigkeit seiner Aussage einer Begründung zu entheben und einer Prüfung zu entziehen:

Es stimmt: Rechtsradikale machen sich die Demonstrationen zunutze.

Weder wird hier deutlich, wer mit den „Rechtsradikalen“ gemeint ist, noch wird erkennbar, welchen „Nutzen“ man aus ihnen ziehen soll, artikuliert sich doch bisher lediglich eine Unzufriedenheit der Bürger mit einer inkompetenten Immigrationsbewältigung, ohne dass Bezüge zur politischen Rechten oder zu radikalen Anschauungen konzeptionell greifbar oder zu befürchten wären. Letztlich gibt es niemanden, der mit dem gegenwärtigen Verlauf der Völkerwanderung glücklich sein kann, so daß die formelhafte Zuweisung der Artikulation nachvollziehbar auftretender Bedenken zu dem Schlüsselbegriff „rechtsradikal“ lediglich eine postmoderne Variante des „Anathema“ ist, also des sakralen Fluchs, der alle trifft, die sich der pontifikalen Gewalt nicht bedingungslos unterordnen. Es spricht für sich, dass sich ein abgewirtschaftetes Intelligenzblatt mit exponentiell sinkender Abonnentenzahl selbst eine solche hieratische Weihe zuspricht. Weihrauchgeschwängert geht es dann auch weiter mit unqualifiziertem, letztlich apolitischem Moralisieren:

Diese Leute und ihre Motive sind eine Schande und eine Gefahr für Deutschland.

Nicht nur, dass in dem gesamten Artikel des Regierungspropagandisten Kohler keine Besichtigung der „Motive“ der „Leute“ erfolgt – diese scheinen vielmehr von vornherein festzustehen, und es scheint auch von vornherein festzustehen, daß sie mißbilligenswert sind. Auch ohne Besichtigung der „Leute“ als auch der „Motive“ werden diese aber mit zwei Begriffen identifiziert, die keinen greifbaren Aussagegehalt haben, aber die Leser emotional manipulieren und moralisch einstimmen sollen.

Der Begriff der „Schande“ gehört in die Psychodynamik der Schamkultur und hat eigentlich in einer aufgeklärten westlichen Zivilisation nichts verloren. Schande gibt es dort, wo diffuse Ängste und archaische Rituale Denken und Handeln bestimmen und lang tradierte unverstandene Sitten und Gebräuche den klaren, aufgeklärten Vernunftgebrauch vernebeln: Die katholische Magd auf dem Dorfe hat ein uneheliches Kind in die Welt gesetzt; die junge türkische Muslima ist ohne männlichen Begleiter aus ihrer Familie abends in Begleitung eines Mitschülers gesehen worden. Brünstigkeit, Sommerschweiß und Sex schwingen in dem Wort „Schande“ mit und wollen so gar nicht zu dem geistigen Anspruch kompatibel sein, den die FAZ einige Nachkriegsjahrzehnte lang nicht ohne Geschick zu vertreten sich angeschickt hat, an dem sie aber nunmehr kläglich scheitert.

Der Begriff „Gefahr“ gehört in die Fachterminologie der Polizeirechtswissenschaft und bezeichnet eine Lage, in der es noch nicht zu einer konkreten Verletzung rechtlich geschützter Güter der öffentlichen Ordnung und öffentlichen Sicherheit gekommen ist, ein solcher Zustand aber durch ein Umkippen der sich entfaltenden Kausalfaktoren von der Gefährdung zur Verwirklichung einer Beeinträchtigung jederzeit zu besorgen ist. Gefährdungen sind damit immer konkret und normativ artikulierbar, etwa als Gefahren für Leib und Leben, für den Straßenverkehr, die Reaktorsicherheit oder die Betriebssicherheit einer forstwirtschaftlichen Holzzerkleinerungsmaschine. Wer nur ganz abstrakt-generell und nicht konkret-individuell von „Gefahr“ spricht, artikuliert indes keinen objektiv fassbaren Tatbestand einer sich entwickelnden Reihe von Kausalfaktoren, sondern er dünstet seine eigene diffuse Angst aus, eine unspezifische Furcht, die wie kalter Schweiß auf seiner kohlerschen Denkerstirn perlt und von dort unschöne optische und olfaktorische Noten entwickelt.

Die priesterlichen Techniken der Angstmache sind insoweit zugleich tiefenpsychologische Indikatoren erlebter und erlittener Existenzangst des FAZken, der sein hieratisches Interpretationsmonopol von Wirklichkeit in Gefahr sieht. Das (!) ist die wirkliche Gefahr: Die zentralisierte Deutungshoheit der Eliten schmilzt aufgrund der egalitären Strukturen des Internet und der Straße ab wie Schnee nach Ostern.

Das Internet ist denn auch für den FAZken deutlich angstbesetzt, es ist Ausdruck jener unaufhaltsam fortschreitenden Demokratisierung durch Egalisierung der Informationsgewinnung und Informationsverbreitung, die antiquierte Konzepte wie „Presse“, „Rundfunk“ und „Fernsehen“ in das historische Vergessen verweist und auf die Tatsache des geduldeten Nochvorhandenseins limitiert. Der Hassimpuls des existenzgefährdeten Informationspriesters richtet sich dann auch fokussiert auf die Strahlungsquelle seiner eigenen Bedeutungsschrumpfung bis hin zur Marginalisierung: Das böse Internet:

Dort tobt seit Jahren ein Aufstand gegen „das System“ und alle, die es tragen, in Berlin, in Brüssel, in Washington. Im Grunde geht es überall gegen die „herrschenden Eliten“: in der Politik, in der Wirtschaft, in den Medien.

Selten hat ein Exponent der noch herrschenden Eliten diese basisdemokratische Gefährdung der eigenen privilegierten Existenz so klar erkannt, und seine Angst verbal so unverstellt ausgeschwitzt. Der Angstschweiß der vorweggenommenen künftigen eigenen völligen Bedeutungslosigkeit ist das Odeur, das den Satzrhythmus durchwabert und den Worten ihre Duftnote gibt: Wir, die Elite in den Hauptstädten, in Politik, Wirtschaft und Medien, sind existenziell gefährdet, weil das Internet sich nicht als das beabsichtigte Instrument der Herrschaft über die Menschen herausgestellt hat, sondern als das stärkste Instrument zu ihrer Emanzipation seit Jahrhunderten. Denkt man in den drei evolutiv aufeinanderfolgenden Stufen Erfindung der Sprache – Erfindung der Schrift – Erfindung des Buchdrucks, so ist Erfindung des Internet die vierte Stufe der Befreiung des Menschengeschlechts von der Leitung des Verstandes durch Andere. Plötzlich kann sich jeder jederzeit über alles informieren, und das bedroht die Grundlage der bisherigen Elitenherrschaft, das Monopol auf Information und deren Fälschung, die Lüge. Lüge in der Politik (Propaganda), Lüge in der Wirtschaft (Werbung), Lüge in den Medien für Politik und Wirtschaft (Lügenpresse). Nicht nur in Pjöngjang, Rangun und Peking wird vor der Einebnung der Informationsasymmetrie zwischen Herrschenden und Beherrschten gezittert, sondern auch in Washington, Brüssel und Berlin. Und das ist die gute Nachricht, die sich hinter dem politisch korrekten Geschwurbel des FAZke versteckt wie der Bocksfuß unter einer zu kurz geschnittenen Gewandfalte.

Anstatt aufklärerische und machtkritische Ansätze zu reflektieren und gegebenenfalls zu widerlegen, wird ihnen der Universalentkräftungsbegriff

Verschwörungstheorie

entgegen gehalten, der eine postmoderne Variante der „Häresie“ oder „Ketzerei“, eine säkularisierte Form des Vorwurfs geistiger Sünde, darstellt. Abermals kommt also eine priesterliche Technik zum Einsatz, die den Geist vernebeln und die kritischen Geister bannen soll.

Der Wahrheit weit näher als der priesterliche Begriff der „Verschwörungstheorie“ kommt der ausgesprochene Hass auf die

Sehnsucht nach simplen Lösungen.

Insoweit erinnert die Journaille verdächtig an einen früheren Mathematiklehrer des Verfassers: Mathematisch unbegabt, logisch unelegant und charakterlich bockig, verfolgte er mit unnachgiebigem Hass die wenigen mathematisch Hochbegabten an der Schule, die seine eigenen, unbeholfenen, umständlichen und klobigen Lösungswege verkürzten und statt mehrerer Tafeln nur wenige Zeilen zur Auffindung und Präsentation eines Algorithmus benötigten. So auch der Hass der postmodernen Politpriester gegen „simple Lösungen“: Alles, was die Welterklärer, Zeichendeuter und Berufsschwätzer entbehrlich machen könnte, ist – aus deren Sicht – eine „Schande“ und – für sie selbst – in der Tat „gefährlich“. Dabei haben jahrzehntelange Vergleichsuntersuchungen zwischen professionell gemanagten Fonds und solchen, die nur einen Index abbilden, längst gezeigt: Komplexe Lösungsstrategien sind nicht besser als einfache, sondern schlechter, und sie sind dazu noch teurer, weil die unnützen Experten auch noch bezahlt werden müssen. Und das gilt auch für viele andere Lebensbereiche, etwa die Medizin, wo aufwendige diagnostische Verfahren sich immer häufiger den evidenzbasierten Regeln erfahrener Praktiker unterlegen zeigen. Weniger ist mehr. Einfacher ist besser. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Gerd Gigerenzer, hat hierzu gerade ein auf jahrzehntelanger Forschung basierendes, aber gut lesbares Buch vorgelegt, das als Pflichtlektüre gelten kann. Praktisch auf jeder dritten Seite stellt er die Interessenkonflikte zwischen bevormundenwollenden Politikern, plünderungswilligen Fondsmanagern und raffgierigen Pharmagiganten einerseits und mündigen, aufgeklärten Bürgern andererseits an den Pranger und weist mit empirischen Untersuchungen in hunderten von Endnoten dezidiert nach, dass in einer ungewissen Welt mit unbekannten Parametern einfache Heuristiken wie „kaufe nur, was Du kennst, in der Regel wird es das erfolgreichere Unternehmen mit dem besseren Produkt sein“ komplexen Value-at-risk-Berechnungen mit aufwendiger mathematischer Modellierung himmelhoch überlegen sind. Zutreffend stellt er aber auch dar, dass diejenigen, die sich priesterlicher Techniken bedienen, um uns „simple“ Konzepte und Lösungen auszureden, in aller Regel von Interessenkonflikten und unredlichen Motiven geleitet sind.

Die intellektuelle Unredlichkeit und paternalistische Bevormundung, die die Pseudo-Eliten bei der Verführung der Massen leitet, sickert denn auch immer wieder durch die glänzend, aber dünn aufgetragene Patina der Kohler’schen Propagandaparolen durch:

Waren die Deutschen in Ost und West jemals freier? Noch nie ging es ihnen so gut wie jetzt.

Hier werden zwei unterschiedliche Rechengrößen – Freiheit und Wohlstand – unbesehen miteinander identifiziert. Denn aus Sicht der Eliten bedeutet Freiheit ihre eigene ökonomische Freiheit: Es geht ihnen gut, weil sie sich etwas leisten können. Andere Menschen sollen das gefälligst ebenso sehen und sich nicht beschweren, solange der repräsentative Median der Bevölkerung mehr als nur elementare Bedürfnisse finanzieller Art zu stillen vermag. Dass es daneben auch andere, nichtökonomische Bedürfnisse, Motive und Sehnsüchte geben kann, etwa nach Identität, Bedeutung und Sinn, will in einen Hohlkopf Kohlkopf Kohlerkopf aber nicht hinein, weil er materialistisch fixiert ist und deshalb Freiheit und Wohlstand verwechselt. Die Jugendlichen in Hongkong, denen es materiell gut geht, die aber dennoch wochenlang gegen das autoritäre Regime demonstriert haben, wissen es besser als der satte, selbstzufriedene und indolente FAZ-Greis. Und die Menschen in Dresden anscheinend auch.

Höhnisch spielt der FAZke dann seinen letzten Triumph aus. Die Kritiker bewege nur der

Hass auf Menschen, die erfolgreich(er) sind und schon deswegen korrupte Schweine sein müssen.

Da freilich lässt er tief blicken: Mit der Selbstbeweihräucherung des Erfolgreichen mischt sich halbbewusst die bittere Einsicht, wie andere ihn sehen müssen, und warum.