Linke Friedenstäubchen flattern für Kriegstreiber

Zitat

Quelle: RT

Gegen aktuelle Kriege und eine Konfrontationspolitik gegen Russland wird am Samstag, dem 8. Oktober, in Berlin eine von etwa 200 Organisationen unterstützte Protestdemo stattfinden. „Linke“ Gesinnungstaliban attackieren die Aktion bereits im Vorfeld.

von Rainer Rupp

„Deutschland befindet sich im Krieg fast überall auf der Welt. Die Bundesregierung betreibt eine Politik der drastischen Aufrüstung. Deutsche Konzerne exportieren Waffen in alle Welt. Das Geschäft mit dem Tod blüht“, heißt es im Aufruf zur Demo.

Tatsächlich beobachten immer mehr Menschen völlig entsetzt, wie unsere Bundesregierung im Gleichschritt mit NATO und EU völlig ungebremst von parlamentarischer oder außer-parlamentarischer Opposition in aller Welt zündelt, von der Ukraine über Syrien bis nach Afrika. Das alleine wäre schon schlimm genug, aber zusätzlich geht man auch noch auf Konfrontationskurs mit Russland und riskiert es dabei, nicht nur einen neuen „Kalten“ sondern womöglich sogar einen heißen Krieg zu provozieren.

Alle Umfragen in unserem Land haben bisher gezeigt, dass das Potenzial für eine mächtige Friedensbewegung vorhanden ist. Es würde schon genügen, einen Teil davon zu mobilisieren. Durch ein geschlossenes außerparlamentarisches Auftreten, das progressive und konservative Kräfte auf breiter Front verbindet, würden überall im Land die anti-militaristischen und friedliebenden Kräfte gestärkt. Über die entsprechenden Folgewirkungen auf die Politik könnten dann die Kriegstreiber in Berlin in die Schranken gewiesen oder im Idealfall davongejagt werden.

Seit vielen Jahren beklagen nämlich die eingefleischten „Atlantiker“, NATO-Angriffskrieger und Regimechange-Befürworter hierzulande, dass trotz Jahrzehnte langer, massiver Propaganda für „mehr Verantwortung weltweit“ immer noch über 60 Prozent der deutschen Bevölkerung stabil gegen jegliche Beteiligung der Bundeswehr an militärischen Interventionen und sonstigen Abenteuern im Ausland sind, egal mit welchen „humanitären“ Deckmäntelchen der Krieg schöngeredet wird.

Auch die Ermahnung des Spiegels auf seiner Titelseite im November 2006, die Deutschen müssten (wieder) „das Töten lernen“ – ein Fach, in dem sie einmal Weltmeister waren -, hatte auf die Masse der Bevölkerung nicht die gewünschte Wirkung, dafür aber umso mehr auf unsere Medien, Politiker und Parlamentarier. Mit Ausnahme (wie lange noch?) der Stimmen der Partei „Die Linke“ – hat der Bundestag bisher nahezu einstimmig alle Kriegseinsatz- und Kriegsverlängerungsforderungen der Bundesregierung abgesegnet. So hat das „Hohe Haus“, wo jeder „nur nach seinem Gewissen frei entscheidet“, wenigstens für unsere Jungs und Mädels in Uniform den Weg freigemacht, an der Seite der für Frieden, Demokratie und Menschenrechte kämpfenden US-Soldaten wieder so richtig das Töten zu lernen.

Gemeinsam können wir diese verheerende Entwicklung in unserem Land stoppen und auch zurückdrängen. Die Teilnehmerzahl der Demo am kommenden Samstag gegen die Kriegstreiber in der Bundesregierung, NATO und EU sowie gegen die Strippenzieher in Washington wird zwar noch lange nicht mit den Hunderttausenden mithalten können, die von physischer Existenzangst getrieben Anfang der 1980er an den  Friedenskundgebungen gegen die nukleare Aufrüstung teilgenommen hatten.

Nach dem großartigen Erfolg der Demo vor der US-Basis Ramstein Mitte Juni dieses Jahres gegen den von der Bundesregierung gebilligten US-Drohnenkrieg könnte die Demo in Berlin ein weiterer Schritt sein, wenigstens einen Teil der 60 Prozent auf die Straße zu bekommen, was aus Sicht der Herrschenden unbedingt verhindert werden muss.

Auffällig ist, dass es jedes Mal, wenn es danach aussieht, als hätten sich die unterschiedlichsten Friedensgruppen zur Durchführung von Großaktionen auf einen gemeinsamen Nenner geeinigt, ausgerechnet „linke Friedenskämpfer“ sind, oder Leute, die sich zumindest dafür halten, die spalterische Aktionen starten und diffamierende Aufrufe verbreiten. Die Leier ist stets dieselbe, nämlich dass Teilnehmer und/oder Organisatoren der entsprechenden Demo verkappte Rechte, Faschisten oder so genannte „Querfrontler“ seien und auch sonst alles tun, um die Demos möglichst klein zu halten. Das ist diesmal nicht anders.

Mitte September hat etwa eine Initiative aus „fünf Friedensgruppen aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland“ auf ihrer Webseite stolz vermerkt, dass sie die querfrontlerische, rechtslastige und neo-nazistische „Stopp-Ramstein-Kampagne“ rechtzeitig durchschaut und deshalb nicht mitgetragen habe, obwohl diese Großdemo quasi vor ihrer lokalen „Haustür“ stattgefunden hatte.

Zugleich ruft die Initiative alle friedensbewegten Menschen dazu auf, an wie auch immer gearteten Folgedemonstrationen zu Stopp Ramstein, so auch jetzt in Berlin, nicht teilzunehmen. Begründet wird das u.a. mit dem „problematischen Anteil von Rednern“, zu denen auch Rainer Rupp gehört, denn der habe Anfang 2016 die „junge Welt“ verlassen, „weil diese die Montagsmahnwachen kritisiert“ habe und Rupp sei zudem – was offensichtlich noch verwerflicher ist – „schon 2014 als Interviewpartner von ‚Russia Today Deutschland‘ [sic!] und von Ken Jebsen bei KenFM“ aufgetreten.

Die „linke“ Scharia-Polizei lässt grüßen. Diese Leute würden am liebsten jeden auf seine Gesinnung prüfen, bevor sie ihn zu einer Friedensdemo zulassen.

Ein weiterer Rundumschlag gegen alle, die sich in den vergangenen Jahren gegen die angeblich „linke“ Ausgrenzung der „neuen“ Friedensbewegung eingesetzt haben, erschien am Wochenende bei Telepolis unter dem Titel „Der Friedenswinter ist tot! Es lebe der Friedenswinter!“.

Das Pamphlet (Teil 1 hier und Teil 2 hier) gipfelte in dem Fazit:

„Beworben wird die Demo vom 8.10. in bewährter Mahnwachen-Manier in ‚alternativen‘ Medien wie KenFM, RT-deutsch und anderen. Dabei wird mal wieder billigend in Kauf genommen, an der Seite von Rechtsextremen und Neonazis zu marschieren.“

Unter diesen Gegnern der Friedensdemo, die am kommenden Samstag um 11:30 Uhr am Alexanderplatz, Ecke Otto-Braun-Straße mit einer Kundgebung beginnt und dann zum Brandenburger Tor führt, findet man so genannte „Linke“ jeglicher Couleur, besonders junge Leute, die sich in Migrationsfragen dem „Mutter-Theresa-Kommunismus“ verschrieben haben.

Gleichzeitig fordern sie in Syrien die Bombardierung Assads, nähern sich so genannten „antideutschen“ Überzeugungen an mit anti-palästinensischen Spruchbändern wie „Bomben auf Ramallah, das ist die wahre ANTIFA“, und sehen im Krieg in der Ukraine bestenfalls nur einen Streit zwischen „dem imperialistischen Russland und den imperialistischen USA“. Längst sind sie unfähig geworden, Angreifer und Angegriffenen auseinander zu halten.

Dass ausgerechnet diese „Linken“ mit ihren neo-konservativen Sichtweisen dann auch noch Zuspruch in unseren Mainstreammedien finden, ist vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich. Obwohl viele von ihnen Mitglieder in der DKP, in der Linken, in der Antifa oder anderen, einst hochgeschätzten Organisationen sind, haben sie längst jeden Anspruch verloren, als „linkes Gewissen“ in der Gesellschaft zu fungieren. Objektiv arbeiten diese „linken Friedenstäubchen“ als Teil einer Querfront aus „Antideutschen“, „Linksliberalen“, Neokonservativen, Neoliberalen und der Springerpresse für die Kriegstreiber. Daher auf zur Demo am 8.Oktober!

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Die Krise der Griechen: der seit Jahrhunderten praktizierte Klientelismus

Zitat

Quelle: UN

Der einzige Weg, den Klientelismus und damit die griechische Dauerkrise zu überwinden ist, die finanziellen Quellen für die Rousfetia auszutrocknen.

Immer wieder, wenn die Regierungschefs der Europäischen Union und die EU-Kommission von Griechenland Sparmaßnahmen fordern, zaubert die Regierung in Athen Reparationsforderungen gegen die Bundesrepublik wegen des Zweiten Weltkrieges aus dem Hut. Auch ein angeblicher Zwangskredit solle zurückgezahlt werden, den das Deutsche Reich den Griechen aufgebürdet haben soll.

Angeführt wird aus Griechenland z.B. das »Massaker von Distomo« im Jahre 1944. Erste Bundespolitiker machen mittlerweile Stimmung, den Opfern und ihren Nachfahren finanzielle Entschädigungen zu zahlen, obwohl das Thema Kriegsentschädigungen eigentlich als ausgestanden angesehen wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg zahlte Deutschland 25 Millionen Dollar Reparationen an Griechenland. 1960 zahlte die Bundesregierung abermals 115 Millionen D-Mark an griechische Opfer.

Das Darlehen in Höhe von 476 Millionen Reichsmark, das Athen gerne mit Zins und Zinsenszins aus Berlin zu rückgezahlt hätte, mußte die griechische Nationalbank 1942 zinslos gewähren. Das Geld solle unter anderem dem Bestreiten der Besatzungskosten gedient haben und sollte nach dem Krieg zurückgezahlt werden. Das Über wälzen der Besatzungskosten auf das besetzte Land gestattet die Haager Landkriegsordnung. Verlieren die Besatzer allerdings den Krieg, sollen die Zwangsdarlehen unter die zu entschädigenden Kriegshandlungen fallen. Elf Milliarden Euro solle Deutschland laut griechischem Rechnungshof daher unter Berücksichtigung von Zinsen heute schuldig sein; acht Milliarden Euro errechnete hingegen der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages im Jahr 2012.

Mittlerweile aber bestehen berechtigte Zweifel, ob es das vermeintliche Zwangsdarlehen jemals gegeben hat. Laut einer Meldung von FOCUS online vom 18.3.2015 gäbe es im Archiv keine Unterlagen dazu. Vielmehr habe das Deutsche Reich seinerzeit ausgerechnet, daß die Kosten der deutschen Besatzung, die den Griechen aufgebürdet wurden, 476 Millionen Reichsmark betrugen. Davon seien 300 Millionen Reichsmark für unentgeltliche deutsche Warenexporte nach Griechenland abgezogen worden. Die übrigen 176 Millionen Reichsmark seien die verbliebene deutsche »Restschuld« der Besatzung gewesen.

Wie bereits dargelegt, war es nach damaligem Völker recht allerdings rechtmäßig, dem besetzten Staat diese Kosten abzuverlangen (so wie auch die Bundesrepublik Deutschland die Besatzungskosten nach 1945 zu tragen hatte). Keinesfalls läge nach dieser Version ein Kredit vor, den die Griechen zurückverlangen könnten.

Die endgültige Klärung der Schuldenfrage überließ übrigens das Londoner Abkommen 1953 einem späteren Friedensvertrag. Einen solchen gab es nie. Als anstelle eines bis heute fehlenden Friedensvertrages 1990 der 2+4Vertrag ausgehandelt wurde, war darin von Reparationspflichten keine Rede – Griechenland protestierte dagegen nicht.

Wenn die griechische Regierung nach »Reparationen« ruft, liest sie damit nur die Seiten des Geschichtsbuches, die ihr politisch gut passen

Wenn sie allerdings den weiten Weg bis zum Zweiten Weltkrieg zurückgeht, um Gegenwartspolitik zu rechtfertigen, so könnte man noch einen Schritt weiter zu rückgehen.

Bayerisches Darlehen für Griechenland

Der bayerische König Ludwig I. unterstützte als Freund des Griechentums großzügig den griechischen Freiheitskampf, wofür er im Befreiungskrieg im Jahre 1821 ein Darlehen in Höhe von 1,5 Millionen Gulden aus seinen Privatmitteln zur Verfügung stellte, welches bis heute nicht zurückgezahlt wurde. Nicht zuletzt aufgrund dieser Verdienste wurde sein Sohn Otto zum König von Griechenland gewählt.

Was also die griechischen Weltkriegsforderungen an Deutschland betrifft, so sollten diese Kriegsentschädigungen mit Griechenlands offenen Verpflichtungen aus dem Befreiungskrieg von 1821 verrechnet werden – selbstverständlich mit Zins und Zinseszins.

Als der erste griechische König der Neuzeit, Otto von Wittelsbach (1832 – 1862), mit einer Handvoll bayerischer Verwaltungsbeamter nach Griechenland kam, zeigte sich rasch, daß er mit diesen das Land nicht regieren konnte. Dem stand ein fest verankerter Klientelismus entgegen. Klientelismus ist ein System personeller, ungleicher Abhängigkeitsbeziehungen in politischen Apparaten, zwischen einflußreichen Personen und Ihren Klienten auf der Grundlage von Leistung und Gegenleistung. Betrachtet man diese Form asymmetrischer Beziehung von Seiten der einflußreichen Personen aus, spricht man auch von Patronage. Otto mußte auf die Netzwerke dieses Klientelismus zurückgreifen und sie in die Verwaltung integrieren.

Auf diese Weise gewannen die Patrone Zugang zu staatlichen Geldern.

Nun wurde der Klientelismus zu einem Zwangsmittel, um dem Individuum seinen Platz in der Gesellschaft zu zuweisen. Die Patrone begannen, sich in die Politik ein zumischen und entdeckten rasch, daß der Klientelismus auch zu politischen Zwecken genutzt werden konnte. Um ihre Klientel an sich zu binden, verteilten sie Gefälligkeiten (»Rousfetia«). Dazu verwendeten sie oft gestohlene staatliche Gelder oder vermittelten Posten in der Verwaltung. Als Gegenleistung erwarteten sie, daß die Klientel bei den nächsten Wahlen für sie stimmte.

»Politische Zuhälterei«

Als Großbritannien 1862 die alleinige Schutzmacht wurde, änderte sich der Charakter der griechischen „Parteien“. Es entstanden „politische“ Parteien – eine liberale und eine konservative Partei – aber an deren klientelistischem Charakter änderte sich wenig. Der Staat wurde zum Ausbeutungsobjekt der jeweiligen Anführer der klientelistischen Pyramide. Postenschacher, Patronage, Korruption und das aus der US-Geschichte bekannte »Spoils System« (das bedeutet, daß der Gewinner einer Wahl das gesamte administrative Personal auswechselt) durchdrangen die staatliche Verwaltung, das Rechtssystem und das Militär.

Stimmenkauf bei Parlamentswahlen und Wahlfälschungen waren gängige politische Erscheinungen. Ende des 19. Jahrhunderts charakterisierte ein griechischer Abgeordneter dieses System als »politische Zuhälterei«.

Die aus diesem System hervorgegangenen politischen Parteien hatten auch im 20. Jahrhundert mit ihren europäischen Gegenstücken wenig gemein, außer daß sie sich Parteien nannten. Parteiprogramme, Parteiorganisationen oder Parteitage waren unbekannt, ebenso wie innerparteiliche Willensbildung von unten nach oben oder durch Diskussion unter den Mitgliedern. Die Partei war die Klientel des Parteiführers und seiner Granden. Bis in die 90er Jahre entschieden die Parteiführer souverän über den einzuschlagenden Kurs.

Konflikte innerhalb einer Partei wurden nicht durch Diskussion und Kompromisse gelöst, sondern dadurch, daß Dissidenten zusammen mit ihrem klientelistischen Subnetzwerk die Partei verließen und sich einer anderen klientelistischen Pyramide anschlossen. Parteiloyalität hing davon ab, welche Rousfetia der Parteiführer seiner Klientel zukommen lassen konnte. Die Wähler zogen daraus typische Konsequenzen: Sie stimmten bei Wahlen nicht für eine Partei, sondern gegen jene Partei, die ihnen in der vergangenen Legislaturperiode den erwarteten Gefallen (Rousfeti) nicht getan hatte. Nur Parteien, welche die Regierung stellen und so Zugriff auf öffentliche Mittel erhalten, sind in einem solchen System politisch wirksam. Parteien, die keinen Zugriff haben, sind wenig erfolgreich und bleiben daher klein. Unter diesen kleinen Parteien gibt es auch Programmparteien, die durchaus ihren europäischen Vorbildern ähneln, aber im klientelistischen System chancenlos bleiben. Die feste Verankerung des Klientelismus in der politischen Kultur des Landes zwang selbst die großen Ideologien des 20. Jahrhunderts zur Anpassung.

Aufgeblähter Staatsapparat

Ein weiteres Charakteristikum des Klientelismus ist die faktische Steuerfreiheit der Reichen. Die politische und wirtschaftliche Oligarchie war (und ist) aufs Engste verfilzt, was dazu führte, daß die gesamte Oberschicht steuerfrei blieb – wobei sich die politische Oligarchie selbst bereicherte. Die staatlichen Einnahmen stammten zum größten Teil aus indirekten Steuern und der Lohnsteuer, welche die »kleinen Leute« bezahlten. Zu einer Industrialisierung wie in Westeuropa kam es nicht. Die wirtschaftlichen Schwerpunkte lagen in der Landwirtschaft, dem Tourismus, dem Handel und der Schiffahrt.

Um ihre Klientel an sich zu binden, sorgte die jeweils regierende Partei dafür, daß ihre Anhänger Arbeit im öffentlichen Dienst, in den staatlichen Betrieben und den Streitkräften fanden, die dadurch immer weiter aufgebläht wurden. Heute arbeitet jeder vierte Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Eine dringend notwendige Entlassungsaktion in größerem Umfang würde aber die Parteien Wählerstimmen kosten und zu massiven sozialen Verwerfungen führen.

Der aufgeblähte Staatsapparat führte zu hohen Ausgaben. Dazu kamen außen und innenpolitische Extravaganzen, die mehrfach zum staatlichen Bankrott führten, so beispielsweise 1893. Damals war Griechenland pleite und wurde unter europäische Finanzaufsicht gestellt. Aber die griechische Führung wußte, daß ihre Schutz macht Großbritannien sie aus geostrategischen Gründen vor dem totalen Absturz retten würde (Großbritannien brauchte Griechenland zur Absicherung der »life line« des Empires durchs Mittelmeer). Als 1948/1949 die nächste große Pleite folgte, sprang die neue Schutz macht, die USA, in die Bresche und rettete das Land. In diesem Fall diente die kommunistische Gefahr als Begründung.

Diese Staatspleiten führten aber nicht dazu, daß die griechische Oligarchie vorsichtiger wirtschaftete. Im Gegenteil: Sie verließ sich darauf, daß die jeweilige Schutzmacht sie nicht fallen lassen würde. So konnte der alte Kurs beibehalten werden. Der EU-Beitritt bildete eine weitere Absicherung in diesem Sinne.

Im Sommer 1974 stürzte die Militärjunta über die von ihr durch einen Putsch gegen Erzbischof Makarios III. ausgelöste Invasion Zyperns durch die Türkei. Der frühere Premierminister Konstantinos Karamanlis kehrte aus dem Pariser Exil nach Griechenland zurück und hauchte seiner ehemaligen ERE-Partei unter dem Namen Nea Dimokratia (ND) neues Leben ein. Aber die ND war nichts anderes als die wiederbelebte Klientel partei der Konservativen.

Wenig später erschien Andreas Papandreou in Athen und gründete, ohne sich um die guten Vorsätze der Vergangenheit zu kümmern, die PASOK (Panhellenische Sozialistische Bewegung). Nach außen hin gab sich die neue Partei als links, tatsächlich war sie vom ersten Moment an eine von Papandreou straff geführte Klientelpartei. Als oppositionelle Gruppen in der Partei, wie etwa die ehemalige Widerstandsgruppe Dimokratiki Amyna (Demokratische Verteidigung), die gegen die Militärjunta gekämpft hatte, dagegen protestierten, ließ Papandreou sie aus der Partei werfen.

Damit war das alte klientelistische Zweiparteiensystem wieder etabliert. Alternative demokratische Kräfte wurden bedeutungslos. Karamanlis regierte das Land bis 1981. Da der größte Teil der Führungselite der ND aus dem wohlhabenden Bürgertum stammte, hatte diese es zumeist nicht nötig, sich selbst zu bereichern. Außerdem waren die Mittel, die zweckentfremdet werden konnten, begrenzt.

Dies änderte sich jedoch, als 1981 die PASOK an die Macht kam. Unter den Führungskadern der PASOK waren viele, die aus weniger wohlhabenden Schichten stammten, noch nie Zugriff auf die staatlichen Kassen gehabt hatten und nun einen »Nachholbedarf« verspür ten. Außerdem mußte die Führung die Partei auf allen Ebenen erst einmal aufbauen und sich eine breite Anhänger und Wählerschaft sichern. Über Rousfetia in großem Umfang versicherte man sich der Loyalität der Anhängerschaft.

Dies wäre auf der Basis der bisherigen Staatseinnahmen kaum möglich gewesen, aber da Griechenland ab 1981 EG-Mitglied war, flossen auch Fördergelder. Der EG-Beitritt ermöglichte es Griechenland, Geld zu günstigen Zinsen auf dem internationalen Kapitalmarkt zu leihen.

Auch 1990, als die ND wieder an die Macht kam, änderte sich daran wenig. Mit der erneuten Amtsübernahme der PASOK 1993 erreichten die Veruntreuung von EG-Geldern und die Finanzskandale einen neuen Höhe punkt. 1996 trat Papandreou aus Gesundheitsgründen zurück. Kostas Simitis, ein in Deutschland ausgebildeter Jurist, wurde sein Nachfolger. Unter ihm schaffte es Griechenland, mit geschönten Zahlen in den Kreis der Eurostaaten aufgenommen zu werden.

Korruption statt Reformen

Der Euro entpuppte sich für Griechenland letztlich als ein Fluch: Denn Griechenland kam nun noch einfacher an zinsgünstige Anleihen. Simitis erkannte die Gefahr und versuchte gegenzusteuern. Doch das System erwies sich stärker als er, obwohl er Premierminister und Vor sitzender der PASOK war. Der Klientelismus der PA SOK hatte eine weitere Metamorphose durchgemacht. Die PASOK war nicht länger die monolithische klientelistische Pyramide mit dem Patron an der Spitze, sondern bestand nun aus relativ unabhängigen Teilnetz werken mit Subpatronen an der Spitze. Als Simitis sie zu bremsen versuchte, erlebte er eine Palastrevolution seiner Granden, die ihn aus der Macht drängten.

Aber auch unter der ND ab 2004 ging es so weiter. Die führenden Persönlichkeiten der Partei waren nicht län ger wohlhabende Konservative, sondern eine jüngere Generation, die von der Gier nach schnellem Geld getrieben wurde. Während ihrer Herrschaft nahm die Schuldenmacherei größere Ausmaße an. Im Unterschied zur Amtszeit der PASOK sickerte aber kaum Geld nach unten durch.

Die staatliche Schuldenmacherei verleitete auch die griechischen Banken dazu, Schulden zu machen, und diese wiederum animierten die Bürgerinnen und Bürger, auf Kredit zu konsumieren. Etwa zwei Jahrzehnte lang gab es so in Griechenland einen noch nie da gewesenen Wohlstand der breiten Bevölkerung. Aber es wurde nicht investiert. Die geliehenen Gelder flossen in den Konsum oder »verschwanden« auf der politischen Ebene. Viele Griechen sind davon überzeugt, daß etwa die Hälfte der Gelder des angehäuften Schuldenberges noch existiert – außerhalb Griechenlands. Das Ende dieser Entwicklung ist bekannt: Griechenland ging de facto pleite.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, daß der Schuldenerlaß und Finanzspritzen nur die Symptome der griechischen Krise bekämpfen, aber nicht die Ursache: Solange das Klientelsystem weiterhin besteht, stabilisieren die Finanzhilfen in erster Linie das alte System, statt es aufzubrechen. Eine echte Veränderung dagegen kann nur durch einen Systemwandel erreicht werden.

Der einzige Weg, den Klientelismus zu überwinden, ist, die finanziellen Quellen für die Rousfetia auszutrocknen.

Weiterführende Infos und PDF hier:

http://www.fk-un.de/UN-Dateien/PDF/Stundenplan/St47.pdf