„16-jährige pubertierende Analphabeten aus dem Irak und Afghanistan“

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Lehrer verzweifeln an Flüchtlings-Willkommensklassen

Von Anna Kröning | | Lesedauer: 7 Minuten

Flüchtlingskinder werden in Willkommensklassen auf den Schulbesuch vorbereitet. Doch die Belastung für die Lehrer ist hoch. Spezielle Kompetenzen für Sprachförderung oder den Umgang mit traumatischen Erlebnissen fehlen meist.

Quelle: N24/Christin Brauer

Ein Jahr haben Flüchtlingskinder Zeit, um fit für den deutschen Unterricht zu werden. Doch wie bringt man Jugendliche, die nicht mal Englisch sprechen, zu einem Schulabschluss? Die Lehrer sind überfordert.

In der Willkommensklasse der Gesamtschule in Berlin-Kreuzberg bleibt zur Kommunikation am Ende oft nur die Körpersprache. Auch untereinander verstehen sich die Schüler nicht, darum verständigen sie sich mit Händen und Füßen und manchmal auch mit Fäusten.

 

16-jährige pubertierende Analphabeten aus dem Irak und Afghanistan sitzen neben zwölfjährigen Mädchen aus bürgerlichen syrischen Familien, die fließend Englisch sprechen. Sie gehen alle in eine Klasse, um die deutsche Sprache zu lernen.

Was habe ich am Wochenende gemacht? Was ist deine Heimatstadt? Wie alt bist du?

 

Melanie L. (Name ist der Redaktion bekannt) ist eine von 1000 Lehrerinnen und Lehrern in Berlin, die eingestellt wurden, um jugendliche Flüchtlinge in Willkommensklassen zu unterrichten. Melanie L. hat Politikwissenschaften und Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Sie hält es inzwischen für nahezu unmöglich, Schüler mit verschiedenem Bildungsstand zusammen zu unterrichten und in den Regelunterricht zu bringen: „Die Lehrer müssen sich zerreißen“, sagt sie.

 

Sie fühlt sich alleingelassen. Weder Sozialpädagogen noch Sonderpädagogen oder ein Übersetzer unterstützen die Lehrerin bei der Arbeit mit den Schülern, dafür ist kein Geld da. Ihr befristeter Vertrag endet in diesem Schuljahr, und sie ist darüber nicht ganz unglücklich.

 

Schulen bleiben allein mit dem Problem

Noch nicht mal zwei Jahre, nachdem die ersten Willkommensklassen in Deutschland für bis zu 300.000 Flüchtlingskinder eingerichtet wurden, stehen die Schulen vor den nächsten Problemen.

 

Die Lehrer sind überfordert, klagen über fehlende Konzepte. Sie fühlen sich von Schulleitung und Politik alleingelassen. Häufig werden Seiteneinsteiger in den Willkommensklassen eingesetzt, die eine Ausbildung in „Deutsch als Zweitsprache“ haben und den Unterricht selbst gestalten müssen.

 

Wie sollen die Schüler nach kurzer Zeit den Übergang in Regelklassen schaffen? Beim Deutschen Philologenverband häufen sich die Beschwerden. Der Verband beklagt gravierende Probleme bei der Integration und fordert mehr staatliche Unterstützung.

 

Es gebe im Gegensatz zu anderen Schulfächern keinen gesonderten Lehrplan und die Schulen blieben mit der Aufgabe auf sich selbst gestellt, sagt Guido Siegel von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Die Übergänge sind einfach eine große Schwierigkeit, wenn dort erwartet wird, dass die Schüler ohne besondere Förderung weiterkommen“, sagt Siegel, der selbst eine Willkommensklasse unterrichtet.

Nicht nur jedes Bundesland, sondern auch jede Schule sucht nach eigenen Wegen, um die Schüler aus Flüchtlingsfamilien in den Fachunterricht zu bringen.

 

Möglichst schnell in den Unterricht

In Berlin gibt es rund 1100 dieser Vorbereitungsklassen. Mehr als 12.000 Kinder in Gruppen von zwölf Schülern lernen dort Deutsch. Der Berliner Bildungssenat gibt vor, dass die Schüler nach einem Jahr in reguläre Schulklassen wechseln, es sei denn, eine Verlängerung wird gesondert beantragt.

 

Derzeit schaffen tatsächlich 60 Prozent der Kinder im Grundschulalter schon nach weniger als sechs Monaten den Übergang in die Regelklassen. Doch ob sie im Unterricht dann auch mithalten können, wurde nicht untersucht.

 

Genauso wenig, wie es bei den älteren Schülern aussieht. An ein Gymnasium schaffen es Lehrerverbänden zufolge nur die wenigsten, auch eine Sekundarschule ist schon schwer zu erreichen.

 

Die Willkommensklassen werden zunehmend zu Sackgassen, ohne dass das Ziel des Mittleren Schulabschlusses (MSA) erreicht wird: „Einen MSA auf Deutsch zu schaffen ist ein weiter Weg. Ich weiß nicht, ob ich das in einer Fremdsprache schaffen würde“, sagt Siegel.

 

Viele Lehrer sind engagiert, aber sie stoßen an ihre Grenzen, da ihre Schulleiter den Sprachunterricht als zeitlich begrenzte Aufgabe verstehen. „Sprachförderung im Fachunterricht ist viel Arbeit. Die Lehrkräfte brauchen dafür einfach zusätzliche Kompetenzen“, sagt er.

Kriegserfahrungen und Flucht

An einem schulischen Weiterkommen hindert viele Schüler aber nicht nur die fremde Sprache, sondern auch die eigene Vorgeschichte. Viele sind im Krieg aufgewachsen oder haben ihre Familie verloren, einige kommen schwer traumatisiert in die Schule. Um die Erfahrungen von Gewalt und Flucht aufzufangen, benötigen sie Hilfe von Sozial- oder Sonderpädagogen. Eine unbekannte Zahl von Schülern gehört zu dieser Gruppe.

 

Doch die gibt es nicht an allen Schulen, und die Vorschriften sind eng bemessen. Um einen besonderen Förderbedarf feststellen zu können, muss der Schüler erst mal ein Jahr zur Schule gehen.

 

Mega-Willkommensklassen im Gewerbegebiet

Weil die Schulen mit der Situation nicht allein zurechtkommen, will das Land Berlin nun an einigen Stellen nachbessern. Zum besseren Übergang sollen nun vierstündige wöchentliche Brückenkurse die Schüler auf den Regelunterricht vorbereiten und Lehrer in speziellen Fortbildungen voneinander lernen. Das größte Projekt allerdings ist ein sogenanntes Bildungszentrum in einem stillgelegten Schulgebäude in Berlin-Schöneberg. Dort soll noch in diesem Schuljahr eine „Willkommensschule“ eröffnen.

 

In 20-köpfigen Klassen werden dort 15- bis 16-jährige Schüler unterrichtet, die auf dem Bildungsstand von Viertklässlern sind und nicht mit Zehnjährigen in den Unterricht gehen können. Erklärtes Ziel von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist es, sie auf berufsbildende Lehrgänge an den Oberstufenzentren vorzubereiten.

 

Gegner von GEW bis zum Flüchtlingsrat sprechen bereits von „absoluter Segregation“. Gerade die Schüler, die am dringendsten pädagogische und psychologische Hilfe benötigen, würden dorthin abgeschoben.

 

Ob frühes gemeinsames Lernen von Flüchtlingen mit deutschen Schülern grundsätzlich besser funktioniert als separater Unterricht, darüber streiten sich Experten. Eine Studie der Berliner Humboldt-Universität ergab, dass separate Willkommensklassen ungeeignet sind. Diese seien kurzsichtig organisiert und brächten eine ganze Reihen von Problemen, lautet das Fazit des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM).

 

Die wenigen Grundschulen, die Flüchtlingskinder direkt in normale Klassen eingliedern und ihnen zusätzlichen Deutschunterricht bieten, hätten deutlich weniger Probleme. Allerdings wurden für die Studie nur Grundschulen untersucht.

 

Alle lernen irgendwann gemeinsam

Einen solchen Weg mit älteren Schülern geht die Johanna-Eck-Sekundarschule im Berliner Stadtteil Tempelhof-Schöneberg. Das Schulkonzept ist so erfolgreich, dass sich inzwischen auch andere Schulen daran orientieren.

 

In der ersten Etage des Altbaus liegt das Büro von Silke Donath. Die stellvertretende Schulleiterin arbeitet seit 24 Jahren als Lehrerin, vor vier Jahren übernahm sie den Posten an der Johanna-Eck-Schule. Von ihrem Fenster aus hat sie den Pausenhof im Blick.

 

Mehrere Mädchen sitzen auf einer Bank, einige tragen Kopftücher. Sie lachen und blicken hinüber zu einer Gruppe Jungen, die etwas abseits am Schulgebäude steht. Als es klingelt, stehen sie auf und verschwinden in der Tür. Der Unterricht geht weiter.

 

450 Schüler aus 34 Ländern gehen hier zur Schule, etwa ein Viertel der Jugendlichen sind Zuwanderer. Viele kommen aus Syrien und Afghanistan. Von Willkommensklassen spricht hier niemand. Jeder Schüler sei hier willkommen, ob er in Mariendorf oder Syrien geboren sei, sagt Donath. Das ist keine Worthülse, sondern Teil des Bildungskonzepts der Schule.

 

Viele sind hoch motiviert

Hier will man die Flüchtlingsschüler wie jeden anderen Schüler bis zum Abschluss bringen. Das Konzept sieht dafür bestimmte Stufen vor. Es beginnt mit intensivem Sprachunterricht parallel zur siebten Klasse. Auch Deutsch, Mathematik, Geografie, Sport und Kunstunterricht werden schon auf Deutsch unterrichtet. Über ein bis zwei Jahre wächst der Anteil an Fachunterricht. Fächer wie Physik, Chemie oder Englisch kommen dazu, bis die Schüler dann in der neunten Klasse regulär unterrichtet werden können.

 

Dass einige schon 17 oder 18 Jahre alt sind, ist kein Nachteil. Sie seien sogar häufig besonders motiviert, ziehen andere mit, beobachtet Donath. Ziel ist, dass die Schüler einen berufsbildenden Abschluss schaffen; einige bekommen einen Mittleren Schulabschluss oder sogar eine Empfehlung für das Gymnasium. „Das sind vier Jahre harte Arbeit“, sagt Donath.

 

Auch für die Lehrer. Wer eine Sprachlernklasse übernimmt, bleibt auch für die nächsten Jahre der Klassenlehrer. An der Johanna-Eck-Schule unterrichten die Sprachlernschüler nur erfahrene Kräfte mit Zusatzausbildung. Aus einem einfachen Grund, erklärt Donath: „Da müssen einfach die besten Leute hin.“

Facharbeiter oder Taugenichtse?

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Dax-Konzerne haben bisher 54 Flüchtlinge „eingestellt“. Welche Qualität die „Einstellung“ hat, bleibt offen. Mercedes ist trotz der Masse an „geflüchteten Facharbeitern“ lt. eigener Aussage bisher nicht fündig geworden.

Bedenkt man, dass die Konzerne in der Regel von Humankapital sprechen, bleibt nur ein Rückschluss: die geflüchteten Facharbeiter sind offensichtlich nichts wert und eben keine Bereicherung für den Arbeitsmarkt.

Quelle: FAZ

Dax-Konzerne stellen 54 Flüchtlinge ein

Welchen Beitrag leisten die größten Unternehmen in Deutschland, um Flüchtlinge in Arbeit zu bringen? Warum fällt die Integration auf dem Arbeitsmarkt so schwer? Wir haben bei den Dax-Konzernen nachgefragt.

04.07.2016, von Sven Astheimer

Die Integration von mehr als einer Million Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt ist eine Herkulesaufgabe – an deren Bewältigung die größten Konzerne dieses Landes bislang so gut wie gar nicht beteiligt sind. Das zeigt eine Umfrage dieser Zeitung unter den 30 wertvollsten Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax), die für einen addierten Jahresumsatz von mehr als 1,1 Billionen Euro und für rund 3,5 Millionen Beschäftigte stehen. Eigenen Angaben zufolge haben diese Unternehmen, zusammen genommen, bis Anfang Juni aber gerade einmal 54 Flüchtlinge fest angestellt. Davon entfielen allein 50 auf die Deutsche Post, zwei jeweils auf den Softwarekonzern SAP und den Darmstädter Pharmahersteller Merck.

 
 Welchen Beitrag leisten die größten Unternehmen in Deutschland, um Flüchtlinge in Arbeit zu bringen?
 

Diese Zahlen zeigen, wie schwierig es sich trotz der hohen Zahl an offenen Stellen (665.000 im Juni) in der deutschen Wirtschaft gestaltet, eine nennenswerte Zahl von Flüchtlingen in Arbeit zu bringen. Zu Beginn der Flüchtlingswelle im vergangenen Herbst waren teilweise hohe Erwartungen geschürt worden. Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche, hatte im Vorfeld der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt zwar betont, dass nicht jeder Flüchtling ein brillanter Ingenieur, Mechaniker oder Unternehmer sei. Aber wer sein komplettes Leben zurücklasse, sei hoch motiviert. „Genau solche Menschen suchen wir bei Mercedes und überall in unserem Land“, sagte Zetsche damals. Im besten Fall könne es auch „eine Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder“ werden. Doch der Autohersteller aus Stuttgart ist bei seiner Personalsuche eigenen Angaben zufolge bislang noch nicht fündig geworden, es wurde noch kein Flüchtling fest eingestellt.

Deutsche Post mit rund 1000 Angeboten deutlich an der Spitze

Auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) schlägt längst zurückhaltendere Töne an. Sprach sie anfangs von den „Arbeitskräften von morgen“, liegt die Betonung mittlerweile auf „übermorgen“. Die Fachleute der Bundesagentur für Arbeit sehen vor allem zwei generelle Hürden für Flüchtlinge am deutschen Arbeitsmarkt: mangelhafte oder fehlende Deutschkenntnisse sowie fehlende (formale) Berufsqualifikationen. Vergangene Woche präsentierte die Arbeitsagentur erste Daten aus einer neuen Statistik. Demnach gibt es derzeit rund 131.000 arbeitslos gemeldete Flüchtlinge, davon verfügen Dreiviertel über keine formale Berufsausbildung. Der Großteil dieser Flüchtlinge komme deshalb zunächst nur für Helfertätigkeiten in Frage, sagte Agenturvorstand Raimund Becker. Zwar sind 60 Prozent der Migranten jünger als 35 Jahre. Dennoch rechnet die Arbeitsagentur mit mindestens fünf Jahren, bis ein junger Migrant die nötigen Sprachkenntnisse erworben sowie eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, um als Fachkraft in der Wirtschaft eine Stelle zu finden.

Schluss mit Schlaraffenland

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Warum die Milliarden plötzlich nicht mehr vom Himmel regnen, wie Gabriel schon wieder danebengreift, und wer wem die Rente zahlt / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

Quelle: PAZ 07.05.16

Ziemlich schnell wurden wir aus dem Schlaraffenland wieder vertrieben. Was waren das für tolle Monate! Zuvor mussten wir jahrzehntelang knausern, schmetterten Politiker unsere Wünsche mit dem Hinweis ab, dass sie angeblich nicht finanzierbar seien.
Seit Sommer 2015 aber war plötzlich alles anders. Die Euronen regneten in dichten Schauern wie Manna vom Himmel. Milliarden und Abermilliardern konnten für Flüchtlinge, die aus Österreich zu uns geflüchtet waren, bereitgestellt werden, „ohne dass jemandem etwas weggenommen wird“. Nicht einmal Schulden musste der Staat dafür machen, denn, so Wolfgang Schäuble, „die schwarze Null steht“.

Viele Leute sind von dem Geldsegen unerwähnter Herkunft reich geworden: Betreuungs- oder Sicherheitsunternehmer, Vermieter von (bislang unvermietbaren) Immobilien oder Container-Hersteller. Ob sie das verdient hatten oder nicht, interessierte niemanden. Wer wollte und die Möglichkeit hatte, konnte herzhaft zugreifen und sich am Ende sogar noch für sein „zivilgesellschaftliches Engagement“ moralisch überzuckern lassen. Es war wunderbar.

Vorbei. Seit Kurzem ist alles wieder wie vorher. Die ergiebigen Euronen-Schauer haben sich verzogen und der altbekannten finanziellen Dürre Platz gemacht, in der die grauen Pfennigfuchser ihr rabiates Regime erneut aufrichten konnten. In den politischen Debatten der Republik wird wieder strengstens gerechnet. Immerzu fragt einer nach der „langfristigen Finanzierbarkeit“, nach den „Grenzen der Belastbarkeit von Beitragszahlern und öffentlichen Haushalten“.

Woran liegt das bloß? Vielleicht hat der Themenwechsel den tragischen Wettersturz ausgelöst. Es geht in den aktuellen Diskussionen nämlich nicht mehr vorrangig um Asylbewerber, sondern um die heimischen Rentner, insbesondere um die von morgen. Da schauen die Politiker ganz genau hin, wer was bekommt, ob er das auch verdient hat und was das alles kosten wird.

Der Debattenschwenk vom Asylgeld-Segen zum Renten-Geknauser ging von den Sozialdemokraten aus. Denen laufen bekanntlich die Wähler davon. Grund des Bürger-Grolls ist, dass die einstige Partei der kleinen Leute in deren Augen zur Partei der fremden kleinen Leute und großen Asylgewinnler mutiert ist.

Als Gegenmaßnahme gegen den Vertrauensverlust hatte Sigmar Gabriel die Losung ausgegeben, man müsse sich wieder verstärkt um die Einheimischen kümmern. Dabei hatte er das Rentenloch entdeckt, in das jedes Jahr mehr Deutsche hineinfallen, um sich dort unten mit der Grundsicherung durch den Lebensabend zu quälen.

Da hagelt es nun Lösungsideen: Lebensleistungsrente oder „Deutschland-Fonds“ heißen zwei Schlagwörter. Die Lebensleistungsrente zielt darauf ab, dass es für die Rentenhöhe immer gleichgültiger sein soll, wie viel einer eingezahlt hat. „Deutschland-Fonds“ heißt die neue Riester-Rente, die nach dem Erfolg der alten entsprechend begeistert aufgenommen werden dürfte. Was sonst noch vorgeschlagen wird, läuft auf gewaltige Beitragssteigerungen hinaus.

Mit anderen Worten: Gabriels Schuss geht, wie alle seine schlauen Ideen, krachend nach hinten los. Muss er aber auch immer alles falsch machen! Allein die zeitliche Abstimmung ist eine Katastrophe. Der krasse Wechsel von der paradiesischen Geldverschleuderei zugunsten der Asylbewerber zur gramverknitterten Kostendebatte bei den Renten hat dem Letzten enthüllt, dass er mit dem Verdacht, den Gabriel eigentlich entkräften wollte, völlig richtig liegt: Nämlich dass Leute, die vom Ausland hereinschneien, bevorzugt behandelt werden.

Überdies sind es bis zur nächsten Bundestagswahl noch fast anderthalb Jahre. Wären es bloß ein paar Wochen, könnten die Politiker sich gegenseitig mit den unhaltbarsten Versprechungen überbieten und so das entzückte Volk hinter sich scharen. Anderthalb Jahre aber genügen, um jede ihrer wortreich ausgeschmückten  Spinnereien auffliegen zu lassen. Zumal der Glaube der Deutschen an ihre Rentenpolitiker ohnehin ein wenig erschüttert ist, seit sich 16 Millionen Leute von einem SPD-Minister auf die Leimruten der Versicherungskonzerne haben riestern lassen, wo sie seitdem geplündert werden.

Was also wird bei dem anstehenden Renten-Hickhack herauskommen? Am besten für die Politiker wäre es, wenn am Ende gar nichts passiert. In Wahrheit aber steht weit Übleres zu befürchten. Es könnte im Zuge der Debatte nämlich ans Licht dringen, welchen Schaden die Regierungen  am einst so soliden deutschen Rentensystem angerichtet haben mit ihrem Gefinger der vergangenen 15 Jahre; dass es keineswegs nur dem Pillenknick geschuldet ist, dass sich dieses früher so verlässliche Regelwerk in ein unkalkulierbares Risiko verwandelt hat. Diese Entdeckung wird den Wählern große Freude bereiten, welche am Wahltag im September 2017 ihren Niederschlag finden dürfte

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Es ist immer eine hässliche Erfahrung, mit den eigenen Fehltritten der Vergangenheit konfrontiert zu werden, das gilt beileibe nicht nur für Rentenpolitiker. Heiko Maas ist seinem eigenen Sündenfall am 1. Mai begegnet. Sein Vergehen: Vor Monaten hatte Maas in einer Runde von Potsdamer Gymnasiasten die Blockade rechter Demos als „cool“ bejubelt. Das war schon was: Solche Blockaden sind ein schwerer Verstoß gegen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit, ebenso wie die massive Störung legaler öffentlicher Versammlungen. Es verblüfft ein wenig, wenn ein Bundesjustizminister Verbrechen an einem fundamentalen Bürgerrecht begrüßt.

Zum Tag der Arbeit wollte Maas nun in Zwickau eine Rede halten. Die aber haben aufgebrachte Bürger derart lautstark gestört, dass der Redner gleichsam „blockiert“ war, schließlich in seine dunkle Dienstlimousine flüchtete und, so Augenzeugen, „mit quietschenden Reifen“ davonsauste. Na? War das „cool“, Herr Bundesminister?

Woher der Ärger der Zwickauer rührt, ist leicht aufzuspüren. Minister Maas hatte, wie andere Politiker auch, gewisse Demonstranten mit unflätigen Schimpfwörtern überzogen, Demonstranten, von denen es in Sachsen besonders viele gibt und denen die Asylpolitik der Bundesregierung auf den Magen geschlagen ist.

Diese Bürger wird es freuen, wenn sie das neueste Kabinettstück zu dem Thema hören, welches die „Zeit“ in einem Online-Video unters Volk bringt. Dort wird berichtet, dass Berlin für Neuzuwanderer 20 Prozent höhere Mietzuschüsse gewährt als es für Hartz-IV-Empfänger herausrückt. Eine interessante Nachricht für alle geschäftstüchtigen Vermieter, von denen einige schon daran arbeiten werden, ihre Hartzer auf die Straße zu bekommen.

Niemandem wird etwas weggenommen? Na ja, wir wollen nicht kleinlich sein. Schließlich werden wir alle dereinst von den neuen Nachbarn profitieren, denn, so schallt es uns täglich um die Ohren, die Zuwanderer bringen Deutschland schließlich voran.

Voran schon, doch in welche Richtung? In einem Gutachten fordert der „Aktionsrat Bildung“ (nach eigenen Angaben ein „Expertengremium renommierter Bildungswissenschaftler“), aus Rücksicht auf die „Flüchtlinge“ die Standards in der deutschen Berufsausbildung abzusenken. An der Schule sollten Lehrer in den Fächern der Naturwissenschaften zudem den Gebrauch von Fachausdrücken einschränken.

Die Experten würzen ihre Vorschläge mit aufschlussreichen Daten darüber, wie weit uns die Zuwanderung in der Vergangenheit schon vorangebracht hat: Danach gehen gut zweieinhalb Mal so viele Ausländerkinder ohne Berufsabschluss ins Leben wie ihre deutschen Altersgenossen.

Hatten wir nicht auch mal was gehört von der segensreichen Wirkung der Zuwanderung auf  die Rentenkasse? Nach diesen Zahlen ahnen wir, wer da später für wen die Rente zahlen soll.