BKA sucht nach staatstreuen Hackern

BKA sucht nach staatstreuen Hackern

Quelle: Welt Online

In einer Stellenanzeige werden Computer-Spezialisten mit „Interesse an kriminalistischer Arbeit“ gesucht. Experten gehen davon aus, dass es der Behörde um eine ganz besondere Fähigkeit geht.

Sie sind ein Computer-Nerd mit besonderem Faible für das Knacken von Betriebssystemen? Sie haben es satt, von wenig Geld zu leben und sich mit Ihrer Leidenschaft immer am Rand der Illegalität (oder darüber hinaus) zu bewegen? Dann wenden Sie sich vertrauensvoll an das Bundeskriminalamt.

Denn die Bundesbehörde fahndet dringend nach Hackern. Doch diesmal winkt statt einer strafrechtlichen Verfolgung eine ebenso stattliche wie staatliche Bezahlung. Per Stellenanzeige wird ein IT-Spezialist mit „Interesse an kriminalistischer Arbeit“ und an der „Bewältigung neuer Aufgaben“ gesucht. Dieser soll als Software Designer bei der „Konzeption und Entwicklung technischer Überwachungsmethoden“ mithelfen.

Bewerber muss „Schwachstellen“ identifizieren können

Konkreter wird es im Kleingedruckten: Dort heißt es, der künftige Mitarbeiter solle, die „technisch-kriminalistischen Voraussetzungen zum verdeckten polizeilichen Zugriff auf entfernte Rechnersysteme“ zu schaffen. Neben einem abgeschlossenen Hochschulstudium in den Fächern Information, Physik oder Mathematik müsse er sich hervorragend in der „systemnahen Programmierung und der Sicherheitsmechanismen von Windows“ auskennen.

 Mit dieser Stellenanzeige sucht das BKA nach Profi-Hackern für den eigenen Dienst

© BKA Mit dieser Stellenanzeige sucht das BKA nach Profi-Hackern für den eigenen Dienst

So wichtig ist dem BKA diese Qualifikation, dass es sie noch einmal wiederholt. Außerdem sollte der Bewerber keine Schwierigkeiten haben, „Schwachstellen“ in Programmen und Betriebssystemen identifizieren und Sicherheitslücken aufzudecken. Mit dieser Stellenbeschreibung ist klar, dass es dem BKA nicht darum geht, die eigenen Betriebssysteme zu schützen, sondern sich in fremde Systeme einzuhacken.

Die Bezahlung, so steht es in der Annonce auf der Homepage des BKA, erfolge außertariflich, vergleichbar der Besoldungsgruppe A 16. Das ist die höchste Stufe in dieser Beamtenbesoldungsgruppe und bedeutet je nach Dienstjahren ein Bruttogehalt zwischen rund 5000 und 6300 Euro monatlich.

Heftige Diskussionen in den einschlägigen Foren

In den einschlägigen Foren wird bereits heftig über den Anwerbe-Versuch diskutiert. Einig sind sich die Experten, dass hier in erster Linie ein Trojaner-Entwickler gesucht wird. „Daran lässt auch die Aufgabenbeschreibung keine Zweifel offen“, schreibt das Internet-Portal „Heise Security“.

Erst im vergangenen Oktober hatte es um den Einsatz staatlicher Spionagesoftware („Bundestrojaner“) erneut eine Kontroverse gegeben, nachdem der Chaos Computer Club auf Sicherheitslücken beim Einsatz der Software aufmerksam gemacht hatte. Diese ermögliche einen viel weitgreifenderen Eingriff in die Privatsphäre der Bürger, als dies gesetzlich zulässig sei.

„Nicht für diese Drecksarbeit anheuern lassen“

Da wundert es wenig, dass das BKA-Stellengesuch in der IT-Community nur auf wenig Sympathie stößt. Daran ändert auch die in Aussicht gestellte Möglichkeit einer späteren Verbeamtung nichts. „Wer einen Funken Berufsehre empfindet, wird sich niemals für derartige Drecksarbeit anheuern lassen“, schreibt ein Internetkommentator unter dem Namen „Rainer Fantasiename“.

Ein anderer schlägt vor, den Posten zusätzlich „mit Boni wie rückwirkende Straffreiheit und Auslieferungsschutz“ aufzuwerten. Andere erwägen eine Bewerbung, um das Bundeskriminalamt zu „unterwandern“. Allerdings wird in der Annonce auf die „erweiterte Sicherheitsüberprüfung“ hingewiesen, der sich der Bewerber unterziehen muss.

Chaos Computer Club rät von Bewerbung ab

„Es ist nicht überraschend, dass das BKA nach Möglichkeiten sucht, einen Trojanern selbst zu entwickeln“ , sagt Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs. Der bisher verwendete Bundestrojaner ist nur eingekauft. Der oberste Datenschützer Peter Schaar hatte kritisiert, eine Überprüfung des Programms sei nicht möglich, da nicht einmal die Regierung vom Hersteller den dafür nötigen Quellcode genannt bekomme. Das wäre mit einem selbst entwickelten Trojaner nicht passiert.

Der Chaos Computer Club rät seinen Mitgliedern ab, sich auf die BKA-Stelle zu beerben: „Die Überwachungssoftware ist sehr umstritten“, sagt Constanze Kurz. „Noch ist nicht geklärt, ob ihr Einsatz nicht illegal ist.“ Auch sei die angebotene Bezahlung für IT-Experten, die auf Spionagesoftware spezialisiert seien, eher niedrig.

Apple-Kenntnisse müssen nicht vorhanden sein

Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 1. Oktober. Auch Hackerinnen und Softwarespezialisten mit Migrationshintergrund sind ausdrücklich ausgefordert, sich zu bewerben.

Offen lässt das BKA in seiner Anzeige, warum vor allem Windows-Benutzer krimineller Aktivitäten verdächtig sind. Besondere Kenntnisse des Apple-Betriebssystems oder mit Linux muss der künftige Mitarbeiter jedenfalls nicht vorweisen.