Die „Mohren“ – Ein verdrängter Teil europäischer Geschichte

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Die "Mohren" – Ein verdrängter Teil europäischer Geschichte
„The Moorish Warrior“ (William Merritt Chase, zwischen 1875 und 1880)
Zuletzt erhitzte die Debatte um die Bezeichnung „Mohren-Apotheke“ die Gemüter. Doch was hat es mit den Mohren auf sich, welche Rolle spielten sie in der Geschichte, auch Europas? Beim aktuellen Bild des Mohren handelt es sich um einen gravierenden Fall europäischen Geschichtsrevisionismus.

Die aktuelle Diskussion begann mit einer Initiative der kommunalen Ausländervertretung, in Frankfurt zwei Apotheken mit dem Namen „Mohren-Apotheke“ umzubenennen.

Die kommunale Ausländervertretung in Frankfurt trat dafür ein, zwei Apotheken umzubenennen. Es handelt sich um die „Mohren-Apotheken“. In einem Antrag an die Stadtverordnetenversammlung und den Magistrat fordert sie diesen auf, sich dafür einzusetzen, dass rassistische Bezeichnungen und Logos aus dem Stadtbild Frankfurts entfernt werden. Das Medienecho war groß, trifft die Debatte doch einen Nerv der Zeit.

Die "Mohren" – Ein verdrängter Teil europäischer Geschichte
Der „Mohr“ als Stereotyp im Karneval

Dabei ist es eigentlich nicht schwer zu verstehen. Wohl die meisten dunkelhäutigen Menschen werden beim Anblick der typischen Darstellung eines Mohren, wie etwa bei den Logos der „Mohren-Apotheken“, an eine weitere stereotype Darstellung schwarzer Menschen denken. Die meisten hellhäutigen Menschen werden sich entweder nicht mit der Darstellung beschäftigen oder diese wird klischeehafte Bilder des schwarzen, exotischen Afrikaners wecken. Beide Fraktionen sind in gewisser Weise Opfer eines umfassenden europäischen Geschichtsrevisionismus und die nicht kontextualisierte Nutzung des Namens „Mohren-Apotheke“ damit in der Tat nicht mehr zeitgemäß. Der Begriff selbst erfuhr im Laufe der Jahrhunderte eine immer negativer behaftete Nutzung und die nunmehr unterschwellig oder direkt abwertende Konnotation des Begriffs kann nicht geleugnet werden.

Doch das ist nur ein kleiner Teil der Geschichte.

Mehr zum Thema: Rassismusvorwurf: Mohren-Apotheken in Frankfurt sollen ihren Namen ändern

Hin und wieder begegnet er einem: Shakespeares Othello ist nur ein Beispiel. Gerade die Apotheken, die das umstrittene Bildnis des Mohren als Markenzeichen verwenden, sind dabei auch ein Tor zu einem Teil europäischer Geschichte, der nicht nur in Vergessenheit geriet, sondern verfälscht und in sein Gegenteil verkehrt wurde.

Die "Mohren" – Ein verdrängter Teil europäischer Geschichte
Mohrenapotheke in Thorgau

Im Zusammenhang mit der aktuellen Debatte erklärte Thomas Kirchner, integrationspolitische Sprecher der Frankfurter CDU-Fraktion, dass der teils seit dem Mittelalter gebräuchliche Name „höchstwahrscheinlich auf den kulturellen Austausch mit der maurischen Bevölkerung“, zurückzuführen sei. Der Begriff stehe also weniger für Rassismus als vielmehr „für die medizinische Überlegenheit der Mauren gegenüber den Mitteleuropäern“. Eine wenig empathische, aber historisch korrekte Auskunft.

Zumindest etwas Licht in dieses Kapitel europäischer und nordafrikanischer Geschichte bringen die noch etwa einhundert „Mohren-Apotheken“ die auf dem gesamten Bundesgebiet existieren. Nicht selten handelt es sich um die ältesten der Stadt. Wie etwa die Nürnberger Mohren-Apotheke zu St. Lorenz,  die demnach im Jahr 1442 erstmals erwähnt wurde, und somit die älteste Apotheke in Nürnberg“ ist. Auch zu jener Zeit existierten Vorurteile unter den Menschen. Heute für viele unvorstellbar, waren diese jedoch nicht vor allem eine Frage der Hautfarbe, sondern regional motiviert.

„Maurus“ ist eine ursprünglich lateinisches Wort, das die Bewohner der römischen nordwestafrikanischen Provinz Mauretanien bezeichnete. Experten vermuten eine Wortherkunft aus dem griechischen Wort „Moros“ für dunkel oder schwarz. Die dann später so bezeichneten islamischen Mauren beherrschten vom 8. bis ins 15. Jahrhundert Arabien, Nordafrika und weite Teile des heutigen Spanien. Im Schlepptau eine Fülle zu jener Zeit fortschrittlichen Wissens etwa im Bereich der Medizin und Pharmazie.

Vor allem die eurozentristisch geprägte Wissenschaft war ab dem 19. Jahrhundert und im Zuge des Kolonialismus bestrebt, sowohl die Erinnerungsspuren an die eigenständige Geschichte der Afrikaner im historischen Bewusstsein als auch die Existenz afrikanischer Zivilisationen zu löschen, gleichzeitig die universelle Geschichte umzudeuten und neu zu schreiben. Das neue Narrativ des primitven Schwarzen bildete die notwendige Legitimation für die bis heute anhaltende Ausbeutung des Kontinents. So schrieb eine der Autoritäten der europäischen Philosophie, Georg Wilhelm Friedrich Hegel in seinen „Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte“ im Jahr 1837 über „Afrika“:

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Darstellung „maurischer Edelleute beim Schachspiel“ (Alfonso X, „Buch der Spiele“,1283)

Afrika ist, soweit die Geschichte zurückgeht, für den Zusammenhang mit der übrigen Welt verschlossen geblieben, es ist das in sich gedrungen bleibende Goldland, das Kinderland, das jenseits des Tages der selbstbewussten Geschichte in die schwarze Farbe der Nacht gehüllt ist […]. Dieser Zustand ist keiner Entwicklung und Bildung fähig und wie wir sie heute sehen, so sind sie immer gewesen […] Dasselbe melden die ältesten Nachrichten über diesen Weltteil; er hat keine Geschichte.

Damit setzte er den Standard für die bis heute vorherrschende Sicht auf den Nachbarkontinent. Jeder Eindruck, Afrika hätte in Ansätzen etwas mit menschlicher Kultur zu tun, war und ist zu vermeiden. Aus diesem Grund liegen auch der Maghreb und das Nildelta nur noch geographisch in Afrika. In dieser Lesart ist der Maure per se ein hellhäutiger Berber oder Araber, der Mohr ein dunkelhäutiger „Schwarzafrikaner“.

Hegels Sicht auf „Afrika“ deckt sich jedoch nicht im Geringsten mit der zeitgenössischer Reisender. So bereiste etwa der arabische Gelehrte Ibn-Batutta das sagenumwobene mittelalteriche Reich Mali. Heute ein Synonym für Armut, Chaos und Gewalt, galt Mali im Mittelalter als Zentrum der Bildung und Wissenschaft. Im Jahr 1352 erreichte Ibn Battuta die malische Hauptstadt Timbuktu und zeigte sich, trotz einer Abneigung gegen den König selbst, tief beeindruckt von den Menschen und der Organisation des Reichs:

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Darstellung des malischen Königs Mansa Musa im kalatalanischen Weltatlas (1375)

Die Malier, so der Gelehrte „hassen Ungerechtigkeit mehr, als alle anderen Menschen […] Es herrscht absolute Sicherheit im Land. Weder Reisende noch Einwohner müssen sich im Geringsten vor Räubern oder Gewalttätern fürchten.“

Doch selbst Menschen, die sich ansonsten womöglich zu Recht einer differenzierten und kritischen Weltsicht rühmen, können sich beim Gedanken an „Afrika“ mittlerweile nicht von den reproduzierten Zerrbildern  und Stereotypen à la Hegel lösen. Die geschichtliche Wandlung in der Wahrnehmung dunkelhäutiger Afrikaner fasste unter anderem Peter Martins im Jahr 1993 in seinem Standartwerk „Schwarze Teufel, edle Mohren“ zusammen. Er zeigt auf, wie:

Aus dem orientalisch kultivierten „Äthiopier“ […] im Zusammenhang mit dem transatlantischen Sklavenhandel und tiefgreifenden ökonomischen, sozialen und psychologischen Wandlungsprozessen in der deutschen Gesellschaft erstmals ein „primitiver Neger“ wurde.

Ist der Schleier erst einmal gelüftet, öffnet sich ein neuer Blick auf einen Teil der mittelalterlichen Geschichte Afrikas und Europas.

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Im Zuge der Ausbreitung des Islam kamen Schwarzafrikaner gemeinsam mit Arabern ab dem Jahr 711 über Nordafrika nach Spanien, das damalige Al-Andalus, und schließlich auch andere Regionen Europas. Nordafrika selbst wurde erst im siebten Jahrundert islamisiert. Dabei ist hervorzuheben, dass Nordafrika nicht nur islamisiert wurde, sondern der Islam auch afrikanisiert wurde. Darauf legen etwa die Bewohner Malis noch heute großen Wert.

Die Araber vermischten sich im Zuge der islamischen Expansion mit der lokalen Bevölkerung – was sich noch heute in der Region anhand der Bevölkerungsstruktur nachvollziehen lässt. Ein großer Irrglaube liegt dabei in der Annahme begründet, dass schwarze Menschen den Arabern zu jener Zeit vor allem als Sklaven dienten. Es handelte sich vielmehr um eine heterogene Gesellschaft, die die Bewohner der Region nicht nach Hautfarben hierachisierte.

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Die kollektive Umschreibung dieses Teils afrikanischer Geschichte macht plausibel, was die Nürnberger Apotheke auf ihrer Webseite feststellt:

Sucht man jedoch nach Versuchen, das Auftauchen jenes Mohrenkopfes zu hintergründen, ergibt sich letztlich, dass weder seitens der Nürnberger noch der Fachleute offenbar ein gesteigertes Bedürfnis nach Antworten bestand. Selbst in der Fachliteratur finden sich keine eindeutigen Hinweise zur Klärung.

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Die Nürnberger verweisen bei ihrem Versuch, konkretere Informationen zur Verfügung zu stellen, auf einen aufschlussreichen Text des Apothekers und Schriftstellers Hans Richard Schittny. Dieser verweist mit einem Zitat auf die erst im Jahr 1722 erfolgte Benennung der Apotheke in Glatz:

Der Apotheker Hieronymus Reinisch gibt jetzt der alten Glatzer Apotheke auch einen Namen. […] Er nennt sie „Apotheke zum schwarzen Mohren“. Er wählt diesen Namen mit bedacht, weiß er doch, dass der Mohr, nach alter Tradition, die Apothekerkunst symbolisiert […] Diese Mohren hatten das beste Wissen um heilkräftige Spezies und Drogen.

Besonders die Kunst des Mittelalters ist für das unverfälschte Verständnis der damaligen Beziehungen zwischen „schwarz“ und „weiß“ von entscheidender Bedeutung:

Von einem wie auch immer gearteten rassistischen Widerwillen der Weißen gegen den Mohren findet sich zum Beispiel auf Bildern von Albrecht Dürer, Matthias Grünewald und Hans Baldung Grien und anderen nicht das geringste.

Dennoch stand „der Mohr“ auch stets für die Gefahr, das Exotische und Fremde. Auf mittelalterlichen Wappen wimmelt es nur so von Mohren. Darunter die Wappen Benedikts des XIV, Friedrich III., der Fugger, Freisings und vieler anderer wie Korsika und Sardinien. Bereits alte spanische Chroniken berichten, dass Peter I. in der Schlacht von Acoraz vier schwarze Könige enthaupten ließ. Entweder er selbst oder sein Nachfolger ließen diese Köpfe demnach als Symbol für die Rückeroberung vier ehemals maurischer Gebiete in ihr Wappenschild aufnehmen.

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König Peter I. empfängt nach der gewonnenen Schlacht von Alcorez die vier Mohrenköpfe und das Sankt-Georgs-Kreuz. 16. Jahrhundert.

Das Landeswappen der italienischen Insel Sardinien zeigt wie das aragonische Wappen vier maurische Köpfe. Auch an kruden Theorien, die Darstellungen umzudeuten mangelt es allerdings nicht. So verweist Wikipedia beim „gekrönten Mohr von Freising“ aus dem 13. Jahrhundert auf folgende Theorie:

Nach einer verbreiteten Interpretation entstand der Mohr aber aus der Fehldeutung einer Darstellung, auf der eigentlich einfach ein gekröntes Haupt dargestellt war, mit dem Bischof Emicho die Reichsunmittelbarkeit seines Gebiets anzeigen wollte.

Worauf auch immer die Ursprünge der sogenannten „Mohren-Apotheken“ zurückzuführen sind, sie sind ein allgegenwärtiger und dennoch unsichtbarer Verweis auf eine Präsenz, gemessen an der heutigen Wahrnehmung, als „schwarz“ zu bezeichnender Menschen in der Geschichte Europas, die wesentlich älter und vielschichtiger war, als es wohl den meisten bewusst ist. Tatsächlich reicht sie bis in die Antike.

Auch im Fall Afrikas lohnt es sich, herkömmliche Nachrichten, Informationen und eigene Denkschablonen zu hinterfragen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Politik, Wirtschaft oder eben Geschichte handelt. Nach den entsprechenden Informationen muss allerdings trotz vielfältiger Verfügbarkeit gesucht werden. Wie so oft, wenn man nicht nur einer Perspektive auf das Weltgeschehen Glauben schenken mag.

Berliner Polizei lässt islamistischen Terror-Gefährder mit 18 Identitäten frei

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Quelle: RT
Die Berliner Polizei hat einen islamistischen Gefährder auf freien Fuß gesetzt. Zuvor hatte sie ihn bei einem Drogengeschäft erwischt. Der Islamist tauchte unmittelbar danach unter. Der Fall erinnert an das Terror-Drama um Anis Amri.

 

Polizisten in Zivil ertappten im Dezember einen islamistischen Gefährder, als er ein Drogengeschäft an der Warschauer Brücke abwickelte, wie die rbb-Abendschau berichtete. Obwohl sie ihn festnahmen, setzten sie ihn später jedoch wieder frei. Ein Jahr zuvor hatte der abgelehnte tunesische Asylbewerber Anis Amri einen Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz verübt, bei dem zwölf Menschen starben.

 

 

Bei dem Freigelassenen handle es sich um Fathi Ben M. Wie Amri habe er verschiedene Identitäten, zudem sei sein Asylantrag abgelehnt worden. Den Polizeibehörden sei zum Zeitpunkt der Freilassung klar gewesen, um wen es sich handelt.

 

Nach der Ablehnung seines Asylantrages sei der Verdächtige abgetaucht, um eine Abschiebung zu umgehen. Angaben zu den Hintergründen der Freilassung durfte die Berliner Polizei nicht machen, berichtete das rbb.

 

Das Vorgehen der Berliner Polizei kommentierte Burkhard Dregger (CDU), der Vorsitzende des Amri-Untersuchungsasschusses:

Ich bin schon sehr verwundert, dass ein islamistischer Gefährder, der 18 Identitäten missbraucht und für den Passersatzdokumente zum Zwecke der Abschiebung vorliegen, bei einer polizeilichen Maßnahme nicht festgesetzt wird und nicht in Sicherungshaft genommen wird, obwohl im Grunde alle Voraussetzungen vorliegen.

Mittlerweile liegt ein Haftbeschluss gegen den Gefährder vor. Ihn haben sächsische Stellen veranlasst. Jedoch ist Fathi Ben M. wieder abgetaucht.

Netanjahu: Soros steckt hinter Protesten gegen Flüchtlingspolitik in Israel

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Netanjahu nennt Flüchtlinge Infiltranten

Quelle: RT

Netanjahu: Soros steckt hinter Protesten gegen Flüchtlingspolitik in Israel

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu beschuldigt den Investor George Soros, hinter den Protesten gegen die Abschiebung von Flüchtlingen zu stehen. Rechte Politiker verteilen unterdessen Einladungen an die Einwanderer, sich bei Liberalen einzuquartieren.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat den US-amerikanischen Milliardär und Philanthropen George Soros für eine Welle an Protesten gegen Pläne der Regierung verantwortlich gemacht, illegale Einwanderer aus Afrika des Landes zu verweisen. Dies berichtet das Nachrichtenportal Arutz Sheva.

Die so genannten Infiltranten sollen, wenn es nach Netanjahus Kabinett geht, nach Ruanda und Uganda gebracht werden. Männliche, unverheiratete und arbeitssuchende Einwanderungswillige sollen bis Ende März die Option eingeräumt bekommen, Israel freiwillig zu verlassen. Machen sie von dieser Gebrauch, würden die Behörden sie mit einem Flugticket und einer Starthilfe in Höhe von umgerechnet 2.900 Euro ausstatten. Verweigern sie hingegen die Ausreise, droht ihnen Arrest. Anerkannte Flüchtlinge und Männer mit Familie sind von der Maßnahme nicht betroffen.

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Netanjahus Erklärung kam im Anschluss an ein Treffen mit Ministern seines Likud-Blocks, nachdem Wissenschaftsminister Ofir Akunis betont hatte, dass lokale Flüchtlingshilfsorganisationen, die in führender Funktion die Proteste mittragen, durch ausländische Regierungen und NGOs finanziert werden.

Auch George Soros bezahlt die Proteste“, erklärte Netanjahu dem Sender Kanal 10 zufolge während des Treffens. In diesem Zusammenhang, so die Leaks, auf die sich der Sender beruft, habe Netanjahu erklärt, dass der frühere US-Präsident Barack Obama „zwei Millionen Infiltranten ausgewiesen hat, und keiner hat was gesagt.“

Meretz: „Netanjahu identifiziert sich mit antisemitischer Orban-Kampagne“

Die Abgeordnete der linkssozialistischen Partei Meretz, Tamar Zandberg, warf Netanjahu daraufhin vor, sich mit der Kampagne des ungarischen Premierministers Viktor Orban gegen Soros zu identifizieren. Orban hatte den linksliberalen Mäzen als „Staatsfeind“ tituliert und dies damit begründet, dass dieser unkontrollierte Masseneinwanderung unterstütze.

Die Entscheidung des Premierministers, die Hitze auf George Soros zu lenken, sollte uns allen Sorgen bereiten. […] Über das letzte Jahr hinweg gab es in Ungarn eine antisemitische Kampagne, die auch das Außenministerium kritisiert hat und die unter allen ungarischen Juden Furcht erzeugte. Netanjahus Entscheidung, die antisemitische Kampagne wiederzubeleben und sich selbst damit zu verbinden, zeigt eine Kontinuität der gefährlichen Verbindungen des Likud mit rechtsextremen Parteien in Europa.

Orban hatte der Associated Press zufolge im Vorjahr gesagt, die Führer der Europäischen Union und George Soros, der zu führenden Politikern in Brüssel enge Kontakte pflegen soll, würden ein „neues, vermischtes, islamisiertes Europa“ anstreben.

In einer Rede, die das staatliche ungarische Fernsehen übertragen hatte, wiederholte Orban seine Vorwürfe an die EU-Führung, diese würde die Rechte der Mitgliedsstaaten beschneiden und versuchen, politische Ziele wie die verstärkte Einwanderung durchzusetzen, die von den meisten Europäern abgelehnt würden. Ungarn hat sich bereits 2015 einer Grenzöffnungspolitik für Flüchtlinge verweigert und stellt sich nach wie vor gegen Brüssels Pläne quer, die nach Europa gelangten Einwanderungswilligen auf alle Mitgliedsstaaten zu verteilen.

Netanjahu: „Soros diffamiert den jüdischen Staat“

Premierminister Benjamin Netanjahu hatte bereits im Sommer des Vorjahres Kritik seines Botschafters an einer ungarischen Plakatkampagne gegen den Wohltäter zurückgewiesen und über Soros erklärt, dieser „unterminiert beständig Israels demokratisch gewählte Regierungen“, indem er Organisationen finanziere, die „den jüdischen Staat diffamieren und bestrebt sind, ihm das Recht abzusprechen, sich selbst zu verteidigen“.

Seit 2008 fließen finanzielle Mittel aus den Beständen der Open Society Foundation an linksgerichtete israelische Organisationen wie J Street, B’Tselem und Breaking the Silence, die unter anderem angebliche Menschenrechtsverletzungen israelischer Soldaten in von den Palästinenserorganisationen beanspruchten Gebieten anprangern. Kritiker werfen den Organisationen vor, unzureichend zu recherchieren und palästinensische Propaganda unhinterfragt zu reproduzieren.

Auf eine gänzlich andere Weise wiederum nähern sich die beiden rechtsnationalistischen israelischen Politiker MK Dr. Michael Ben-Ari und Baruch Marzel der Einwanderungsproblematik. Vor einer Woche verteilten beide, wie Arutz Sheva berichtete, im Süden von Tel Aviv-Jaffa in Tigrinya, der Muttersprache der meisten Bewohner Äthiopiens und Eritreas, verfasste Flugblätter an mutmaßliche illegale Einwanderer aus diesen Ländern.

Rechtsnationale: „Kostenlose Bleibe mit Familienanschluss“

Auf den Flugblättern waren Adressen und Telefonnummern von Mitglieder diverser Flüchtlingsinitiativen sowie von Abgeordneten der Meretz-Partei verzeichnet, verbunden mit dem Ratschlag, diese persönlich aufzusuchen und deren „Gastfreundschaft“ in Anspruch zu nehmen.

Das ist die Adresse, wo ihr hinmüsst“, sprach Marzel die mutmaßlichen Einwanderungswilligen an. „Ein sehr schöner Platz zu leben, ein hübsches Haus. Kostenloses Essen, und auch sonst ist alles kostenlos, ihr könnt dort alles machen. Frau Silverman [Reformrabbinerin Susan Silverman; Schwester der Schauspielerin Sarah Silverman] und der Parlamentsabgeordnete Ilan Gilon in Aschdod – sie sind bereit, euch aufzunehmen, ihr könnt dort umsonst in einem sehr schönen Heim mit Familienanschluss leben, ihr könnt jederzeit hin und dort leben, und bringt am besten noch eure Freunde mit.“

Ex-Bundespräsident Gauck zeigt sich „erschreckt“ von Folgen des Multikulti

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Quelle: RT

Noch-Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner Rede zum Amtsabtritt im März 2017

Es ist vor allem ein Satz, der nun viel Aufmerksamkeit erregt: „Wohin ein solcher Multikulturalismus aber tatsächlich geführt hat, das hat mich doch erschreckt.“ Gesagt hat ihn Ex-Bundespräsident Joachim Gauck vor einigen Tagen in Mannheim, wo er mit dem Carlo-Schmid-Preis ausgezeichnet wurde. Dem Satz voran stellte er eine Definition des Multikulti: „Was sich auch immer hinter den einzelnen Kulturen verborgen hat – Vielfalt galt als Wert an sich. Die Kulturen der Verschiedenen sollten gleichberechtigt nebeneinander existieren.“ Das große Defizit an dieser Lehre ist aber laut Gauck: „Für alle verbindliche westlich-liberale Wertvorstellungen wurden abgelehnt.“

Geradezu blauäugig habe sich die Gesellschaft gegenüber dem Phänomen Zuwanderung verhalten und Gauck fragt sich, „ob wir uns schon wirklich klargemacht haben, wie schwerwiegend Migranten und Flüchtlinge die Gesellschaften in Europa verändern werden – in ihrer Bevölkerungsstruktur, in der Art ihres Zusammenlebens und auch in ihrer Kultur“.

Man könnte die Rede fast als öffentliche Lossagung von der „Willkommenskultur“ verstehen, die lange Zeit von Politik und großen Medien gepredigt wurde, wie Gauck nochmals in Erinnerung ruft: „Ausgerechnet Deutsche wollten sich keine Fremdenfeindlichkeit vorwerfen lassen. Wenn Probleme dieses positive Bild des Fremden störten, wurden sie minimiert oder gar wegdefiniert.“

Keine Gauck-Rede ohne Ode an die „Freiheit“, jenen schwammigen, aber stets wirkungsvollen Lieblingsbegriff Gaucks. Und natürlich liefert er auch seine gewohnten arroganten Seitenhiebe gegen „den“ von Gauck bekanntlich nicht sehr geachteten Russen:

Selbst Migranten aus Russland und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken tragen häufig eine regelrechte Distanz zur Moderne in sich – ein mangelndes Verständnis für Minderheiten- und Frauenrechte, für Toleranz und sexuelle Selbstbestimmung. Die Gefolgschaft gegenüber einer starken Führerpersönlichkeit erscheint ihnen ’natürlicher‘ als die Loyalität gegenüber einem Rechtsstaat und seinen Institutionen.

 

Er sagt in der Rede aber auch einen klugen Satz zum Nationalstaat, den sich einige Linken zu Herzen nehmen könnten:

Ein Nationalstaat darf sich auch nicht überfordern. Wer sich vorstellt, quasi als imaginierter Vertreter eines Weltbürgertums alle Grenzen des Nationalstaates hinwegzunehmen, überfordert nicht nur die materiellen, territorialen und sozialen Möglichkeiten eines jeden Staates, sondern auch die psychischen Möglichkeiten seiner Bürger.

Insgesamt aber ist die Rede doch eher ein Dokument der Heuchelei, als des plötzlichen Erkenntnisgewinns. Denn wie kann man den folgenden Satz sagen und gleichzeitig Syrien und Russland als Verbrecher bezeichnen, weil sie Dschihadisten daran hindern, das Land zu besetzen:

So finde ich es beschämend, wenn einige immer noch die Augen verschließen vor der Unterdrückung von Frauen bei uns und in vielen islamischen Ländern.

Interessant ist, dass die Gauck-Rede zwar von zahlreichen Medien aufgegriffen wurde, viele jedoch – darunter auch die FAZ – den zentralen Satz vom „erschreckenden Multikulti“ nicht erwähnen. Wollen sie damit Gauck vor sich selber oder die Leser vor Gauck schützen? In jedem Fall sind das genau die (möglicherweise gut gemeinten) medialen Verrenkungen, die bereits die Berichterstattung zur „Flüchtlingskriese“ teilweise zur Farce werden ließen.