Australische Flüchtlingspolitik als Vorbild

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Harter Kurs in der Flüchtlingspolitik Wie Australien die Grenzen schloss

Quelle: Tagesschau.de

Stand: 22.04.2015 11:53 Uhr

Er werde die Flüchtlingsboote stoppen, versprach Australiens Premier Abbott vor seiner Wahl – er hat dies mit harten Mitteln umgesetzt. Der EU empfahl er dies als Vorbild. Aber an seinem kompromisslosen Kurs gibt es viel Kritik.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur

16.000 Bootsflüchtlinge kamen noch 2013 an den Küsten Australiens an – in alten, kaum seetauglichen Kähnen, in die indonesische Menschenschlepper die Iraker, Iraner oder Afghanen gezwängt hatten. Viele dieser Schiffe kenterten, mehrere hundert Menschen ertranken.

Dann setzte die im September 2013 gewählte konservative Regierung Australiens unter Tony Abbott ihr „stop the boats“-Wahlversprechen um. Die Zahl der Bootsflüchtlinge sank inzwischen – zumindest laut offiziellen Angaben – auf Null.

Zur Umkehr gezwungen

Zwei Wege verfolgt Abbotts Regierung – beide werden von Menschenrechtlern heftig kritisiert. Flüchtlingsboote werden erstens auf hoher See zum Umkehren gezwungen. Und wer doch durchkommt, wird zweitens in Lagern weit entfernt auf Nauru oder in Papua-Neuguinea untergebracht.

Im Sommer 2014 wurde ein Boot mit 157 Flüchtlingen aus Sri Lanka, darunter viele Frauen und Kinder, wochenlang auf See festgehalten. Der damalige Einwanderungsminister Scott Morrison verteidigte das Vorgehen. Man stoppe die Boote, um diesen Fluchtweg grundsätzlich zu unterbrechen, egal woher die Flüchtlinge kommen: „Es ist wichtig, dass uns kein Boot erreicht.“

Weit außerhalb Australiens in Lagern untergebracht

Tausende Flüchtlinge – vor allem aus den Jahren 2012 und 2013 – leben in Lagern auf Papua-Neuguinea oder auf der kleinen Südseeinsel Nauru unter schwierigsten Bedingungen, viele Kinder sind darunter. Gillian Triggs, Präsidentin der australischen Menschenrechtskommission, kritisiert, laut internationalem Kinderschutzrecht sollten Kinder niemals festgehalten werden, wenn es nicht für ihre Gesundheit oder ihre Sicherheit zwingend nötig sei. „Die Kinder in dem Lager leben unter schockierenden Bedingungen, in großer Hitze, ohne Schutz, absolut unmenschlich, unvorstellbar, gemessen an eigentlich notwendigen Standard“, meint sie.

Flüchtlinge meuterten inzwischen mehrmals, steckten Unterkünfte in Brand. Die Asylsuchenden warten oft Jahre in den Lagern auf das Ende ihres Verfahrens – und auch dann dürfen sie australischen Boden nicht betreten.

Kampagne in den Herkunftsländern der Flüchtlinge

Kampagne gegen Flüchtlinge in Australien | Bildquelle: Australian Government

Die australische Regierung ließ eigens Videos drehen, um Flüchtlinge abzuschrecken.

Zur Verstärkung setzt Australiens Regierung auf Multimedia. In den Tageszeitungen der Fluchtländer wurden Anzeigen geschaltet, Videospots erschienen im Internet. Die Politik der australischen Regierung zur Bekämpfung illegaler Einwanderer habe sich nicht geändert, heißt er darin. Es gebe nur zwei Möglichkeiten: Das Boot mit Flüchtlingen müsse umkehren, oder die Menschen würden in ein anderes Land gebracht

Der Menschenrechtsanwalt David Manne kritisiert, das Problem dieser australischen Flüchtlingspolitik sei, dass der Fluchtgrund überhaupt keine Rolle mehr spiele: „Die Notlage der Flüchtlinge – der Grund, warum sie Schutz brauchen – wird nicht mehr beachtet wird. Australien gibt damit die notwendige Verantwortung für Flüchtlinge ab und trägt nichts mehr zur Lösung bei.“

Premier Abbott argumentiert, man wolle mit den drastischen Maßnahmen Leben retten. Vor allem aber geht es darum, dass die Australier Bootsflüchtlinge, die sich nicht dem offiziellen Verfahren unterwerfen, als Vordrängler ablehnen.


Kein Weg führt nach Australien

Quelle: Tagesschau.de

In der Flüchtlingspolitik kennt Australien nur eine Linie: Abschreckung. Auch in Herkunftsländern soll eine Plakatkampagne von der gefährlichen Reise abbringen. Und wenn Flüchtlinge das Land erreichen, werden sie in arme Drittländer weitergereicht.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur

„Stop the boats“ – mit diesem Wahlkampfslogan war der australische Regierungschef Tony Abbott bei den Wahlen im September vergangenen Jahres erfolgreich. Nun wird mit der Anzeigenkampagne „No way“ nachgelegt. „Ihr werdet Australien nicht zu Eurer Heimat machen“, heißt es darin in mehr als einem Dutzend Sprachen in Anzeigen in häufigen Herkunftsländern der Bootsflüchtlinge.

Ein Video der Regierung soll die Abschreckung komplett machen. Darin verkündet Angus Campbell, der Kommandeur der Küstenschutzmission „Souveräne Grenzen“: „Die Politik der australischen Regierung zur Bekämpfung illegaler Einwanderer hat sich nicht geändert. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Das Boot mit Flüchtlingen muss umkehren oder die Menschen werden in ein anderes Land gebracht.“ Wer illegal einwandere, bekomme keine Möglichkeit, in Australien einen Asylantrag zu stellen, macht er in dem Video deutlich.

„Es ist wichtig, dass uns kein Boot erreicht“

16.000 Bootsflüchtlinge, viele aus Irak, Iran, Sri Lanka und Afghanistan, waren im vergangenen Jahr an den Küsten angekommen. Hunderte Menschen starben, als ihre altersschwachen Kähne sanken. Inzwischen freut sich die konservative Regierung unter Abbott, dass kein einziges Boot, kein Asylsuchender mehr auf dem Seeweg das Land erreicht.

Im Juli hatte die Küstenwache ein Boot mit 157 Menschen aus Sri Lanka, darunter viele Kinder, wochenlang auf See festgehalten. „Wir stoppen die Boote, um diesen Fluchtweg grundsätzlich zu unterbrechen, egal woher die Flüchtlinge kommen. Es ist wichtig, dass uns kein Boot erreicht“, sagte damals Einwanderungsminister Scott Morrison zum Vorgehen.

Auch Kinder werden in Lager gesperrt

Zudem sind Tausende Asylsuchende in Lagern in Papua-Neuguinea und auf der kleinen Südseeinsel Nauru untergebracht. Sie wohnen dort in Zelten, oft unter schwierigsten Bedingungen. Auch 900 Kinder müssen diese Unterbringung ertragen.

Besonders um sie machen sich Menschenrechtler Sorgen. Gillian Triggs, Präsidentin der australischen Menschenrechtskommission, betonte: „Nach internationalem Kinderschutzrecht sollten Kinder niemals festgehalten werden, wenn es nicht für ihre Gesundheit oder ihre Sicherheit zwingend nötig ist. Die Kinder in dem Lager leben unter schockierenden Bedingungen: In großer Hitze, ohne Schutz, absolut unmenschlich, unvorstellbar, gemessen an eigentlich notwendigen Standards.“

Millionen für Kambodscha

Einwanderungsminister Morrison und der kambodschanische Innenminister Sar Kheng unterzeichneten das Umsiedlungsabkommen.

Mit Kambodscha vereinbarte Australien gegen Zahlung von umgerechnet rund 27 Millionen Euro, 1000 Asylberechtigte aufzunehmen. So wird eines der ärmsten Länder Südostasiens Zufluchtsort für Verfolgte. Menschenrechtler befürchten, dass Kambodschas Premierminister Hun Sen das Geld nimmt, sich um die Menschen aber wenig kümmert.

Der kambodschanische Oppositionsführer Sam Rainsy bestätigte diese Befürchtungen: „Kambodscha ist eines der korruptesten und ärmsten Länder der Welt. Geld, gerade aus ausländischen Quellen, landet vor allem in den Taschen der korrupten Führer und nur ganz wenig bei den eigentlich Bedürftigen.“

Auch die australische Labor-Party von Kevin Rudd, die die Wahlen im vergangenen Jahr deutlich verloren hatte, ist in Sachen Flüchtlinge nicht zimperlich. Die Abkommen mit Papua-Neuguinea und Nauru zur dortigen Unterbringung von Flüchtlingen tragen die Unterschrift Rudds.

Zaghafte Gegenbewegung im Internet

Einige Australier haben jetzt die Internet-Seite „Sorry Asylum Seekers“ eingerichtet, auf der sie sich für die Politik ihrer Regierung entschuldigen. Allerdings sind sie nur eine Minderheit der rund 20 Millionen Australier.

Südafrika – ausländerfeindliche Neger machen Migranten für hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich

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Südafrikanische Neger machen Einwanderer für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich. Bereits 2008 mehr als 60 Tote…

Quelle: Tagesschau.de

Nach Gewaltwelle in Südafrika Soldaten sollen Ausländer schützen

Stand: 21.04.2015 18:05 Uhr

Nach den Ausschreitungen gegen Ausländer in Südafrika zieht die Regierung Konsequenzen. Um die fremdenfeindliche Gewalt zu stoppen, soll auch das Militär eingesetzt werden. Bei den Übergriffen wurden seit Ostern mindestens sieben Menschen getötet.

Die Regierung in Südafrika will mithilfe des Militärs gewalttätige Ausschreitungen gegen Ausländer unterbinden. Die Soldaten würden in Gegenden stationiert, in denen mit Angriffen auf Zuwanderer gerechnet werden müsse, sagte Verteidigungsministerin Nosiviwe Mapisa-Nqakula. Dies betreffe das Township Alexandra in Johannesburg, aber auch die Stadt Durban und andere Teile der Provinz KwaZulu-Natal. Der Einsatz des Militärs sei „das letzte Mittel“ und werde Kritik hervorrufen, räumte Mapisa-Nqakula ein. „Die schutzbedürftigen Menschen werden dies aber zu schätzen wissen.“

Sieben Tote, Tausende Menschen auf der Flucht

In Alexandra war am Montag ein Paar aus Johannesburg angeschossen worden. Am Wochenende war dort ein Mosambikaner getötet worden. Die mutmaßlichen Täter wurden nund dem Haftrichter vorgeführt. In Durban hatten die Ausschreitungen ihren Anfang genommen, nachdem in der Stadt sechs Menschen getötet worden waren. Insgesamt wurden sieben Tote gezählt, Tausende Menschen flüchteten vor der Gewalt.

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Mosambikaner im Township Alexandra werden die mutmaßlichen Täter dem Haftrichter vorgeführt.

Aufruf eines Zulu-Königs als Auslöser?

Die Angriffe richteten sich nach Angaben der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ vor allem gegen Einwanderer aus Malawi, Simbabwe und Mosambik. Auslöser ist offenbar ein Aufruf des Zulu Königs Goodwill Zwelithini gewesen. Er soll lokalen Medien zufolge Ausländer zum Verlassen Südafrikas aufgefordert haben. Inzwischen erklärte er, seine Äußerungen seien missverstanden worden.

Viele Südafrikaner machen Einwanderer für die hohe Arbeitslosigkeit im Land verantwortlich und werfen ihnen vor, Einheimischen die Jobs wegzunehmen. Bereits 2008 waren bei einer ähnlichen Welle von Übergriffen mehr als 60 Ausländer getötet worden.

Quelle: Tagesschau.de

Fremdenfeindliche Übergriffe in Südafrika Gewalt auch in Johannesburg

Stand: 18.04.2015 16:00 Uhr

ach den Angriffen auf Ausländer im südafrikanischen Durban ist es auch in Johannesburg zu Ausschreitungen gekommen. Laut Polizei wurden Läden von Einwanderern in einem Armenviertel geplündert. Die Behörden wollen nun stärker durchgreifen.

In Südafrika haben sich die fremdenfeindlichen Ausschreitungen auch auf Johannesburg ausgeweitet. In einem Armenviertel der Metropole wurden Läden von Einwanderern geplündert, wie die Polizei mitteilte.

Bei ähnlicher Gewalt in Durban waren zuvor sechs Menschen getötet worden. Dort hat sich die Lage beruhigt, nachdem die Polizeipräsenz massiv erhöht wurde. Auch in Johannesburg wurden nach den Plünderungen die Sicherheitskräfte verstärkt. Nach Angaben der Polizei wurden in der vergangenen Nacht zudem mehr als 30 Verdächtige festgenommen.

Protest gegen Einwanderer in Johannesburg.

Hat die Polizei nicht schnell genug eingegriffen?

In ganz Südafrika kommt es seit Anfang des Monats vermehrt zu Übergriffen auf Ausländer aus anderen afrikanischen Staaten. Oft sollen Polizisten tatenlos dabei gestanden haben.

Viele Südafrikaner werfen den Einwanderern vor, ihnen die Arbeitsplätze wegzunehmen. Die Regierung erklärte, sie gehe Beschwerden über nicht gemeldete Migranten nach. Sie betonte aber auch, dass viele Ausländer legal in Südafrika arbeiteten und so zur Wirtschaftsentwicklung beitrügen.

2008 wurden bei einer ähnlichen Gewaltwelle rund 60 Menschen getötet. Im Januar fielen Plünderungen in Soweto und anderen Townships im Raum Johannesburg vier Menschen zum Opfer. Auch da waren Läden im Besitz von Migranten Ziel der Gewalttäter.

Bochum: Gewalttätige Asylbewerber vertreiben Tafelhelfer

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In Wattenscheid beklagt die Tafel zunehmend Anfeindungen gegen ihre Helfer bis hin zu gewalttätigen Übergriffen. „Seit mitte letzten Jahres sind 300 unserer 430 ehrenamtlichen Mitarbeiter ausgeschieden. Sie wollten diese Respektlosigkeit nicht länger ertragen“, so der Tafelgründer und Leiter Manfred Bassner. Weiter: „Unsere Helfer werden aufs übelste beleidigt und angepöbelt… Alte und Kinder werden weggehauen. Da herrscht eine Aggressivität und ein Anspruchsdenken, dass mich zur Weißglut bringt.“ Es tue im „sehr leid, das zu sagen. Aber es sind fast ausschließlich Aussiedler aus Südosteuropa und zunehmend auch Flüchtlinge, die sich so benehmen.

Ihr seid die Gestörten!

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Quelle: Welt – ursprünglich unter dem o.g. Titel im Feuilleton der Druckausgabe vom 26.03.2015 veröffentlicht

Von Ronja von Rönne

Mindestens die Hälfte meiner Bekannten hatte schon mal die Diagnose: psychisch krank. Wer nicht depressiv ist, muss blind sein, wer kein Burn-out hat, hat nie für etwas gebrannt. Ein Klinikbesuch.

Die Klinik sieht genauso aus, wie man sich eine Psychiatrie vorstellt. Graue, niedrige Gänge, ein Mann, der in durchgeschwitztem Trainingsanzug den alten Röhrenfernseher auslacht. Eine alte Frau sitzt auf dem Boden und spielt mit ihren Pantoffeln. Es gibt einen Gemeinschaftsraum, in dem Gesellschaftsspiele ausliegen. Auf einem steht „Wer am besten spinnt, gewinnt“. Die meisten spinnen aber nicht, sondern gucken einfach nur sehr leer.

Ich besuche meine Freundin Cara, seit einigen Wochen in stationärer Behandlung. Sie wirkt fehl am Platz hier, ihr Haar ist frisch gefärbt, sie trägt ein Kleid von Monki aus der aktuellen Kollektion.

„Kaffee mit Milch oder ohne?“, frage ich sie in der Cafeteria. Cara guckt lange grenzdebil ins Leere. Das muss sie sich von anderen Patienten abgeschaut haben.

Krankheit gibt Sicherheit, macht unangreifbar

„Ich weiß nicht“, sagt sie schließlich, „ich kann mich so schlecht entscheiden. Das ist ganz typisch für Borderliner.“ Ich sage: „Milch oder nicht, das weißt du doch?“. Sie sagt: „Mein Therapeut sagt, ich soll mir Zeit für Entscheidungen nehmen“. So stehen wir sehr lange und sehr ratlos vor dem Kaffeeautomat. Als man ihr noch nicht gesagt hatte, dass sie Probleme mit Entscheidungen hatte, hatte sie noch keine Probleme mit Entscheidungen.

Aber die Krankheit gibt Sicherheit, macht unangreifbar und immun gegen Vorwürfe, und wer der angestrebten Diagnose nicht vollständig entspricht, passt sich ihr eben ein bisschen an. Cara hat jetzt eben Entscheidungsschwierigkeiten.

Als man ihr noch nicht gesagt hatte, dass sie Probleme mit Entscheidungen hatte, hatte sie noch keine Probleme mit Entscheidungen.

Ich darf sie nicht anblaffen, dass mich ihr affektiertes Zögern nervt. Sie ist krank. Ich muss verstehen. Und ich verstehe tatsächlich. Nicht nur das, ich bin sogar etwas neidisch. Die Krankheit befreit meine Freundin aus dem Rennen, in dem sich der Rest von uns befindet. Ich kann mich kaum auf unser Gespräch konzentrieren, denke an Abgabefristen, Facebook-Likes, die Planung der nächsten Monate. Ich bin fast neidisch, denn Cara hat sich ausgeklinkt. Ihre Diagnose, ihr Aufenthalt in dieser Klinik, die besorgten Blicke der Eltern: Sie steht gerade nicht unter dem Druck, ihr Studium zu beenden, einen Job zu finden, generell glücklich zu sein. Cara darf entspannt zwanzig Minuten über Kaffee mit oder ohne Milch nachdenken und keiner verübelt es ihr.

Ihre Diagnose ist wie früher der Entschuldigungszettel vom Arzt, mit dem man eineinhalb Stunden auf der Bank sitzen konnte und den anderen beim Zirkeltraining zusehen konnte. Cara darf zugucken und Milchschnitte essen. Wenn sie will, ohne Milch. Der Rest von uns muss weiter einem Ideal hinterherhecheln. Ab und zu darf man sich eine solche Auszeit gönnen.

Cara setzt eine Runde aus

Cara ist nicht die erste in unserem Freundeskreis, die eine Runde aussetzt. Ich werfe ihr nicht vor, etwas vorzuspielen. Es geht ihr tatsächlich sehr schlecht. Sie spielt niemandem was vor. Mein Neid rührt daher, dass sie jetzt eine offizielle Berechtigung für ihr Hadern und Scheitern hat. Ohne Diagnose ist man nur Versager oder faul. Dabei geht es doch vielen, vielleicht sogar den meisten nicht gut. Trotzdem gilt wie eh und je: Glück ist normal, Unglück ist krank. Wenn man sagt, es gehe einem nicht gut, wird man gefragt, warum. Geht es einem gut, fragt keiner, warum zur Hölle man eigentlich so glücklich ist, wo doch woanders Menschen verhungern. Wer krank ist, muss nur überleben, wer gesund ist, muss leben. Und Leben macht krank. Es soll sogar tödlich sein.

Mindestens die Hälfte meiner Bekannten hat in ihrem Leben schon eine psychische Erkrankung diagnostiziert bekommen, einige waren in stationärer Behandlung, die meisten kennen den Unterschied zwischen kognitiver Verhaltenstherapie und Psychoanalyse. Bis zum Abitur wurden zwei Mädchen meiner Stufe magersüchtig. Bei Abendessen werden Therapieansätze und Tavor genauso selbstverständlich besprochen wie Töpferkurse. Eher selbstverständlicher, wir töpfern schließlich nicht. Wir sind ja nicht verrückt, sondern jung, schön und erfolgreich. Und eben, wenn das mal nicht läuft, krank.

Psychische Probleme sind so normal wie Magen-Darm-Infekte

Heute werden psychische Krankheiten nicht mehr stigmatisiert. Es ist besser geworden, oder schlimmer, je nachdem, denn: Psychische Probleme sind so normal geworden wie Magen-Darm-Infekte. Eher ist man versucht, all die Gesunden zu verurteilen, dem alten Klischee „Die Glücklichen sind die Irren“ nach. Und nur, weil man noch keine Diagnose erhalten hat, bezeugt das keine geistige Gesundheit, am Ende sind es ja doch immer die netten Nachbarn, die kleine Kinder in ihren Keller einbetonieren.

Cara trinkt jetzt lieber gar nichts. Wir laufen durch den Park vor der Klinik, sie hält ihr Gesicht in die Sonne.

„Und nach der Klinik? Willst du wieder studieren?“, ich zupfe einen Grashalm von ihrer Strickjacke. Ich überschlage im Kopf, sie hat noch zwei Semester Zeit, ihren Master in Regelstudienzeit zu beenden.

„Ich weiß nicht. Ich weiß wenig. Und ich glaube, ich muss gerade auch nichts wissen“.

„Aber was willst du denn? Willst du doch wieder arbeiten?“

Um uns selbst kümmern, glücklich werden. Die einzigen Pflichten die wir, privilegiert und mitteleuropäisch, mit auf den Weg bekommen haben. Wir sollen uns selbst verwirklichen, wir sollen glücklich werden. Wie wir wollen. Wie? Wir? Wollen?

Depression, Borderline, ADHS entschuldigen uns, wenn wir das mit dem Glücklichwerden mal nicht ganz so gut hinkriegen. Denn natürlich ist glücklich werden etwa das Blödeste, nachdem man streben kann, vielleicht der größte Fehler überhaupt.

Welcher vernünftige Mensch ist nicht von Grund auf unglücklich?

Absagen sind normal. Langweile, Müdigkeit, Verzweiflung ist normal. Unglück ist normal. Die Leute tragen Funktionskleidung. Der Himmel ist grau. Eltern sterben. Einen Job zu haben heißt nur, dass man ihn noch verlieren wird. Für Beziehungspartner gilt das Gleiche. Und natürlich kann man sich fragen: Welcher vernünftige Mensch ist nicht von Grund auf unglücklich? Man könnte die Frage aber auch umdrehen: Welcher vernünftige Mensch nimmt an, dass Zufriedenheit der Normalzustand ist? Dass das Nichtglücklichsein eine Diagnose sein könnte? Zielt nicht all das Diagnostizieren darauf ab, einen Idealzustand als Normalzustand zu etablieren?

Wir geben unserem Unvermögen, einem Idealbild zu entsprechen also einen Namen. Wir können unser Unglück googlen, Symptome bei Wikipedia nachschlagen, die natürlich alle, alle, alle, alle, alle auf uns zutreffen.

Chronische Müdigkeit? Ja! Entscheidungsschwierigkeiten? Aber natürlich! Längere, trübselige Verstimmung? Hell, yes! Treffer versenkt, Venlafaxin.

Ein Teil der Persönlichkeit wird zum Feind erklärt

Die Diagnose klammert einen Teil der Persönlichkeit aus, nennt ihn Krankheit und erklärt ihn zum Feind. Plötzlich ist etwas da, was bekämpft und gezähmt gehört. Man ist nicht mehr wütend, sondern cholerisch, hat kein unstetes Gemüt, sondern eine bipolare Störung. Plötzlich ist da ein Name für all das Unangenehme, eine Entschuldigung für falsches Verhalten, eine Erklärung für jedes berufliche oder private Hadern. Eine neue Comfort Zone, geboren aus einer irritierenden Annahme: Dass das Gesunde die Norm ist. Dass die, die nicht glücklich, krank sind.

Der Maßstab für mentale Gesundheit ist ein besonders zwielichtiger Typ, der pfeifend Wäsche aufhängt, vierzig Stunden arbeitet und niedliche Kinder hat, die gerne Klavier spielen.

Der Maßstab für mentale Gesundheit ist ein besonders zwielichtiger Typ, der pfeifend Wäsche aufhängt, vierzig Stunden arbeitet und niedliche Kinder hat, die gerne Klavier spielen. Er zahlt gewissenhaft Steuern, dafür denkt er nicht so oft an den Tod. In seine Google-Leiste tippt er „Bauanleitung Kinderschaukel“, nicht „Kann man gleichzeitig AIDS und Krebs haben?“. Das soll normal sein. Das ist das Ziel. Wer nicht wenigstens ein bisschen zufrieden ist, ist krank. So ist das halt.

Dabei steht der Normalzustand mit all seiner guten Laune mittlerweile ziemlich allein auf weiter Flur. 40 Prozent aller Menschen in Deutschland erkranken mindestens einmal in ihrem Leben psychisch. Psychische Erkrankungen sind zweithäufigster Grund für Arbeitsunfähigkeit.

All das Leid ist nachvollziehbar. Wer nicht depressiv ist, muss blind sein, wer kein Burn-out hat, hat nie für etwas gebrannt, wer nicht chronisch gestresst ist, verschließt seine Augen vor einer Welt die immer schneller und immer unverständlicher wird. Das Hinterherhecheln kostet Kraft. Ab und zu ist die eben aufgebraucht, dann trinkt man zu viel, schläft zu wenig, streitet sich mit Leuten im Internet.

Irgendwann nach der Bachblütentherapie geht es weiter

Dann folgt die Katharsis, man arbeitet an sich, schluckt fleißig Bachblüten, ein, zwei Klinikaufenthalte, drei, vier Therapien, und irgendwann geht es eben weiter, weil es weiter gehen muss.

Dieses Denken geht von dem kolossalem Irrtum aus, dass es unnormal, ja krank sei, sein Leben nicht in ordentlichen Bahnen zu lenken. Man denkt nicht, dass Monogamie schwierig ist, sondern man ist bindungsgestört. Man nimmt nicht an, dass Karrieremachen ein saublöder Wunsch ist, sondern man selbst nur zu schwach. Den Fehler sucht man stets bei sich selbst, deckt ihn auf, korrigiert und optimiert sich weiter. Und obwohl die Idee, sich aus solchen Krisen frei zu strampeln richtig sein mag, ist die Bezeichnung Krankheit eine falsche, weil dieser dubiose Normalo-Typ eine Farce ist. Weil ständiges Glück eine Lüge ist und dessen Abwesenheit eben keine Krankheit.

Im Gegenteil: Krank ist es, anzunehmen, dass der Ausnahmezustand, in dem wirklich alles sehr okay ist und das Leben dahin fließt wie ein meditierender Gebirgsbach, sei die Regel. Alles andere braucht einen Namen, einen Stempel und natürlich eine Therapie.

Die tatsächlich Glücklichen sollte man skeptisch ansehen und fragen, was bei ihnen eigentlich schief läuft. Am besten unterstellt man diesen Geblendeten eine Manie, dann wissen sie, wie sich das anfühlt mit so einer Diagnose.

Wenn das klare Ich-Gefühl fehlt

Den Neidern, den Verzagten, den Zweifelnden hingegen sollte man wissend zunicken. Während unseres Spaziergangs zitiert Cara den Wikipedia-Eintrag ihrer Borderline-Diagnose. Früher hat sie Oscar Wilde zitiert.

„Fehlen eines klaren Ich-Identitätsgefühls, chronische Gefühle von Leere und Langeweile.“

Sie nervt mich, die Sonne blendet mich, es ist ein schöner Tag: „Du hast heftige Stimmungsschwankungen vergessen, Darling.“

Die Hintermänner des „arabischen Frühlings“

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Der todbringende arabische Frühling, unter dem inzwischen die ganze arabische Welt sowie auf Grund der Flüchtlingsströme auch Europa extrem leidet, hat seine Ursache in der Befreiungsabsicht und den Demokratisierungsbestrebungen der „westlichen Wertegemeinschaft“ – in diesem Fall angezettelt von den Befreiern der NATO unter Führung unserer amerikanischen Freunde:

Für den 4. Februar 2011 hatte die Nato in Kairo ein Treffen anberaumt, das US-Senator John McCain leitete. Mit ihm war der Franzose Bernard Levy gekommen, der zwar kein öffentliches Amt innehatte, aber in seiner Heimat einen gewissen Ruf als Philosoph genoss. Dazu kamen Unterhändler aus der Golf-Region und syrische Exilanten. Das Thema war die Frage, wie man sowohl in Libyen als auch in Syrien Aufstände entfachen könne, damit die Nato dann, im Namen von Freiheit und Menschenrechten, eingreifen könnte.
In Libyen machte man sich neben dem stets vorhandenen sozialen Gefälle vor allem ethnische Spannungen zunutze. Im Westen des Landes ist der Prozentsatz der Araber höher, im Osten derjenige der Berber. Speziell in der Gegend von Derna lebt der Stamm der Harabi, traditionell mit dem Clan Gaddafis, der berberischer Abstammung war, verfeindet.
Diese Gegebenheiten reichten indes nicht aus, um einen Flächenbrand anzufachen. Daher hatte schon lange zuvor die CIA einen Emissär nach Afghanistan gesandt, der dort, im Taliban-Lager Chost nahe Ghanzi im äußersten Nordosten des Landes, einen Libyer namens Abdel Hakim al-Hasidi anwarb. Nahe seiner Heimatstadt Derna stellte er später eine 300 Mann starke Miliz zusammen, den Kern der nachmaligen „Libyan Islamic Fighting Group“ (LIFG). Diese LIFG wurde durch 460 Mann verstärkt, die die CIA aus ihrem Gefängnis in Guantanamo rekrutierte. Ihr Ausbilder wurde der ehemalige Mudschaheddin Abu Sufian Ibrahim Ahmed Hamuda bin Qumu, der zuvor für Osama bin Laden im Sudan tätig gewesen war. Kommandeur wurde Salah al Barrani, ebenfalls ein früherer Mudschaheddin. Diese Truppe wurde durch eine Einheit des privaten Sicherheitsunternehmens Blackwater aus den USA verstärkt, und so konnte das libysche Kapitel des „arabischen Frühlings“ eröffnet werden.

Lesen Sie den ganzen Artikel hier: Preußische Allgemeine Zeitung

Germanwings Absturz: Piloten kritisieren Unfall-Untersuchung

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Siehe auch: Voicerecorder-Manipulation beim Germanwings Absturz

Quelle: Handelsblatt

Vorschnelle Schlüsse zum Germanwings-Absturz: Der Weltpilotenverband Ifalpa kritisiert die Untersuchung des Flugzeugunglücks in den französischen Alpen massiv. Festgelegte Standards müssten eingehalten werden.

Madrid/FrankfurtDer Weltpilotenverband IFALPA hat die bisherige Untersuchung zum Germanwings-Absturz in Südfrankreich kritisiert. Die Flugunfalluntersuchung habe international festgeschriebene Standards „bisher nicht erfüllt“, heißt es in einer am Montag von der deutschen Pilotenvereinigung Cockpit veröffentlichten Erklärung, die der Weltpilotenverband auf seiner Jahrestagung in Madrid vorlegte. Derweil gedachten Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und seine Kollegen aus Spanien und Frankreich in Barcelona der Absturzopfer.

 Steinmeier, der spanische Außenminister Manuel Garcia-Margallo und der französische Chefdiplomat Laurent Fabius legten am Montag einen Kranz am Flughafen Barcelona nieder, von wo die Unglücksmaschine gestartet war.

Der Copilot Andreas L. hatte den Germanwings-Airbus laut bisherigen Ermittlungsergebnissen am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf bewusst gegen einen Berg in den französischen Alpen gesteuert, um sich das Leben zu nehmen. Dabei starben alle 150 Menschen an Bord, darunter 75 Deutsche.

Der Weltpilotenverband IFALPA verwies darauf, dass jede Flugunfalluntersuchung nach international festgelegten Standards vorgenommen werden müsse. Die Untersuchung im Fall des Germanwings-Fluges 4U 9525 genüge diesen Standards bisher nicht.

„Die Veröffentlichung von vertraulichen Informationen, medialer Druck und politische Erwägungen beschädigen jenes hart erkämpfte Umfeld, auf welches sich die Luftfahrtindustrie geeinigt hat, um Flugunfälle zu untersuchen und daraus Verbesserungen zu erarbeiten“, erklärte der Verband.

Nur das endgültige Ergebnis einer ordentlichen Flugunfalluntersuchung erlaube es, „gesicherte Schlüsse zu ziehen und geeignete Verbesserungen zu identifizieren“, hieß es weiter in der IFALPA-Stellungnahme. Zugleich äußerte sich Verband bestürzt über den „tragischen Absturz“. „Die mutmaßlichen Umstände dieses Absturzes, wie von der französischen Staatsanwaltschaft beschrieben, sind jenseits unseres Vorstellungsvermögens und würden einen extremen Einzelfall darstellen.“

Auch die Vereinigung Cockpit bekräftigte ihre Aufforderung an alle Beteiligten, sich auf „die unabhängige und faktenorientierte Flugunfalluntersuchung zu konzentrieren“. „Die über Jahrzehnte gewachsene und weltweit standardisierte Flugunfalluntersuchung dient der Erhöhung der Flugsicherheit“, unterstrich der Cockpit-Präsident Ilja Schulz. „Politische und mediale Interessen dürfen keinen Einfluss auf die professionelle Arbeit der Experten haben.“

Derweil will die Bundesregierung einem Zeitungsbericht zufolge nach dem Germanwings-Absturz ihr Vorhaben beschleunigt umsetzen, auch für Angehörige von Unfallopfern einen Anspruch auf Entschädigung gesetzlich festschreiben. „Der schreckliche Flugzeugabsturz hat den Handlungsbedarf deutlich gemacht“, sagte der SPD-Rechtsexperte Johannes Fechner der „Rheinischen Post“ (Montagsausgabe). Derzeit haben dem Bericht zufolge Angehörige von Unfallopfern nur dann Anspruch auf Entschädigung, wenn sie nachweisen können, dass der Tod ihres Verwandten auch bei ihnen schwere gesundheitliche Schäden ausgelöst hat.

Siehe auch: Voicerecorder-Manipulation beim Germanwings Absturz

Germanwings: Spektralanalyse legt Manipulation bei VoiceRecorder-“Mitschnitten” nahe

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Hackergruppe Anonymous veröffentlicht technische Untersuchung

von Wolfgang Eggert

Die Computeraffine Bürgerrechtsplattform “Anonymous” hat die veröffentlichten Mitschnitte aus dem Stimmrekorder der am 24.d.M. in den französischen Alpen verunglückten Germanwings-Maschine unter die Lupe genommen. Der gestern auf dem Facebook-Account der Transparency-Gemeinschaft veröffentlichte Befund hat Sprengkraft: Daten vermitteln, dass nachträglich Einschübe auf die Bänder gespielt wurden. Die Wegstrecke an Ungereimtheiten im Zusammenhang mit den sogenannten BlackBoxen ist indes länger.

Die Datenauswertung von Flug 9525 war von Anfang an umstritten. Am 25. März erklärte der französische Präsident Hollande auf einer Pressekonferenz an der Seite der deutschen Kanzlerin, man habe im Fall der abgestürzten deutschen Passagiermaschine von einem der beiden Flugschreiber nur die leere Hülle gefunden.
Schon diese Behauptung war von Fachkreisen in Zweifel gezogen worden. Das bloße Finden einer Hülle, ohne Inhalt, so der Sprecher der Berufsvereinigung Cockpit Jörg Handwerg gegenüber der “Schweriner Volkszeitung” vom 2.April, „ist technisch kaum vorstellbar“. Er wolle „gewiss keiner Verschwörungstheorie Vorschub leisten. Aber die Umstände geben schon arg zu denken.“

Die rätselhaften “Umstände” nahmen ihren Fortgang: Die offenkundig schnell auf Protest stoßenden Behörden bemühten sich in der Folge, dem Widerspruch nicht in die Tiefe zu folgen und ließen es schließlich gar offen, ob nicht gleich der zweite Flugdatenschreiber in seiner Gesamtheit  „verschütt gegangen” sei.
Pech: Auch diese Notlösung wurde laut SVZ von Piloten gekontert. Wäre er komplett, so ihr Argument, dann müsse er auch gefunden werden. Und zwar schleunigst. Denn: Das nahezu unzerstörbare Gerät sendet ein Signal, mit dem es angepeilt werden kann.

In zeitlicher Überschneidung zur Veröffentlichung des kritischen Artikels, von dem man höheren orts gewusst haben dürfte, platzte am 2. April die erlösende Meldung: der zweite Flugschreiber sei im ganzen Stück „gefunden” worden. Ohne Peilung, scheinbar weil das Signal „ausgefallen” war – was normalerweise nicht passiert. Das leuchtend-orange gestrichene Gerät sei zudem „leicht zu übersehen” gewesen, da es „vermutlich durch Brandeinwirkung ganz schwarz” geworden sei. Auch das verwundert, denn: Selbst wenn man den Möglichkeiten von feuerfester Farbe Grenzen zubilligt, so sind auf zeitnahe entstandenen Fotos vom Absturzort weder Rauch noch ausgebrannte Trümmerteile zu sehen: Das prominenteste Stück, welches den Zifferncode des Flugzeugs zeigt, wirkt auf den veröffentlichten Bildern nahezu sauber…

Wie dem auch sei, die Daten der „zweiten Blackbox” lagen bereits 24 Stunden später fertig ausgewertet auf dem Tisch – eine atemberaubende Rekordzeit, die in der Geschichte der zivilen Luftfahrt ohne Beispiel ist. Nachvollziehbar eigentlich nur angesichts der Tatsache, dass sich der Experten-Widerstand gegen die offizielle Absturzursache nun auch medial Bahn zu brechen drohte. Und dies sehr vehement. Dass der Sprecher der Piloten-Berufsvertretung das Wort „Verschwörung” in den Mund nahm und dies nur sehr vorsichtig relativierte, spricht Bände.
Andere Experten, welche die Schweriner Volkszeitung anführte, standen dem in nichts nach. Flugzeugtechniker, so das Blatt, „bezweifeln , dass die komplexe Computersteuerung der Maschine es erlauben würde, mit unverändert hoher Reisegeschwindigkeit bis in die geringe Absturzhöhe zu fliegen.” Hierin, man vergegenwärtige sich jedes einzelne Wort, sähen „sie einen Grund, warum die Blackbox angeblich(!) noch nicht gefunden wurde. ´Es kam schon oft vor, dass sie dann plötzlich doch auftauchte – mit unerklärlichen Aufzeichnungslücken´, sagte einer.”
Oder, auch das hat es bereits gegeben, mit „zusätzlichen Angaben”, die Kritikern zufolge nachträglich auf die Bänder gespielt wurden.

Noch während der Enthüllungsartikel der Volkszeitung an die Druckerei gegeben wurde, kam die Meldung, der zweite Flugschreiber wäre endlich gefunden. 24 Stunden später lagen seine Daten vor. Gab es Druck auf politischer Ebene die Auswertung der Tonbänder in kniebrecherischer Eile zu veröffentlichen, dann hat dies Geschmäckle. Denn dieses  Vorgehen würde Kritiker „bedienen”, welche den „Selbstmord-Absturz” insgesamt für “hochpolitisch” halten; und diesen zumindest in seinem Schlussmoment auf einen Abschuss durch französische Mirage-Kampfflugzeuge zurückführen, die zu einem außer Kontrolle geratenen und nicht mehr anfunkbaren „Rogue-Plane“ entsandt worden waren. Die Militärs, die ein Hijacking in Rechnung zu stellen hatten, trafen genau im Moment des Crashs bei ihrem Zielobjekt ein. Ohrenzeugen bestätigen einen Knall – vor dem Absturz -, Augenzeugen wollen zumindest kurz Rauch und Flammen an dem abstürzenden Passagierjet gesehen haben. Der Abschuss eines deutschen Passagierflugzeugs durch französische Streitkräfte ist öffentlich schwer vermittelbar. Eine möglicherweise verdeckt bestehende, „islamistische“ Terrorbedrohung im Schlussakt der Iran-Atomverhandlungen ebenfalls. Bessere Motive für Vertuschungsmaßnahmen – inklusive dem scheinbar beweisgestützten Produzieren eines “alternativen Ablaufs” – sind kaum denkbar.

Möglicherweise bereits auf diesen oder ähnlichen Verdachtsmomenten gründend nahm die Computeraffine Bürgerrechtsplattform “Anonymous” die veröffentlichten Mitschnitte aus dem Stimmrekorder unter die Lupe. Das Hacker-Kollektiv vollzog dabei an den “vermeintlichen” Black-Box-AudioDaten, welche die Behörden Tage zuvor veröffentlicht hatten, eine Spektrum-Analyse. Zwei Audio-Tonsspuren, einmal Mono, einmal Stereo, lagen zur Untersuchung vor, die Auswertungslänge betrug jeweils knapp eine Minute.
Ergebnis: Beidesmal fanden sich Datencluster, die mit erheblich höherer – bis zu doppelter – Frequenz aufgelöst waren. Aufgrund dieser Auffälligkeiten, so die Anonymous-Techniker, habe „es den Anschein, dass das Audiomaterial aus verschiedenen Tonmateriallien mit unterschiedlicher Auflösung zusammengesetzt worden ist.”

 

 

 

 

 

Die Bewertung schließt mit den Worten: Die infrage stehenden Geräusche wurden nachträglich in die Audio-Datei eingefügt. Fazit: Die sogenannten „Mitschnitte des Stimmrekorders” seien eine “Fälschung”.

Aber damit nicht genug. Anonymous wertete zugleich die öffentlich zugänglichen Flugdaten des Webdienstes Flyradar24 aus, welcher mittels Tausender ADS-B-Transponder Echtzeit-Positionsdarstellungen von Flugzeugen zur Verfügung stellt. Und diese Angaben, so die Transparancy-Gemeinschaft, widersprechen der offizieller Flugablauf-Version! Folgt man den Flightradar-Daten, dann fing das Cockpit (oder jemand, der auf seine Lenkung zugreifen konnte) den Germanwings Airbus von einem zügigen Sinkflug in einen regelrechten Horizontalkurs ab, um dann eine Linkskurve zu fliegen.

Laut den öffentlich zugänglichen Daten (Uhrzeit, Flughöhe und Geschwindigkeit) von Flightradar24 wurde der Sinkflug um 09:31 Uhr aus einer Flughöhe von 37.975 ft (11.575 m) bei einer Geschwindigkeit von 477 kts (883 km/h) eingeleitet. Nach 9 Minuten Sinkflug betrug die Flughöhe um 09:40 Uhr (UTC) 6.925 ft (2.111 m) bei einer Geschwindigkeit von 378 kts (700 km/h). Die durchschnittliche Sinkrate betrug demnach 3.450 ft/min (1.052 m/min) oder 17,53 Meter pro Sekunde. Daraufhin wurde die Maschine aus ihrem recht zügigen Sinkflug regelrecht in den Horizontalflug abgefangen, denn die Sinkrate betrug nur noch lächerliche 125 ft/min (38 m/min) oder 0,64 Meter pro Sekunde. Beleg: Zwischen 09:40 Uhr (UTC) (Flughöhe 6.925 ft = 2.111 m) bis 09:41 Uhr (UTC) (Flughöhe 6.800 ft = 2.073 m) hat die Maschine nur 125 ft (38 m) an Flughöhe verloren und die Fluggeschwindigkeit betrug um 09:41 Uhr (UTC) 378 kts (700 km/h).

Die Anonymous-Aktivisten, die den stabilisierten Flug inklusive der am Ende geflogenen Kurve anhand von Screenshots (Flightradar 24 hat die Flugdaten der Unglücksmaschine mittlerweile aus seiner Datenbank entfernt) nachvollziehbar darstellen können, schließen mit einem Fragenkatalog:

– Wie verhält sich eine bewaffnete Luftraum-Patrouille der französischen Luftstreitkräfte, wenn der Airbus A320 (D-AIPX) sich aus einem raschen Sinkflug abfängt und kurze Zeit später eine Linkskurve auf einen neuen Kurs einschwenkt, wenn ein strategisch wichtiger Stausee ungefähr nur 2 Flugminuten entfernt in Sichtweite ist?

– Kann der Radar-Kontakt vom Cannes-Radar zur Airbus eventuell deswegen abgerissen sein, weil die bewaffnete Luftraum-Patrouille elektronische Gegenmaßnahmen, also ein Radarstörgerät aktivierte?

– Warum sollte eine bewaffnete Luftraum-Patrouille wohl ein Radarstörgerät aktivieren?

Die Fragen sind berechtigt.

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