ARD-Anstalten gestehen jahrelange Manipulationen von Zuschauerumfragen ein

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Quelle: Compact-Online

Geschrieben von: Martin Müller-Mertens 14. August 2014

Die Fälschungen bei der ZDF-Rankingsendung Deutschlands Beste waren kein Einzelfall: Gleich vier ARD-Anstalten räumten in den letzten Tagen ebenfalls ein, Zuschauerabstimmungen verändert zu haben – mit zum Teil hanebüchen wirkenden Erklärungen. Betroffen sind angeblich nur seichte Unterhaltungsformate. Doch mindestens eine Politik-Umfrage präsentierte ebenfalls Ergebnisse, die zu Nachfragen provozieren.

So habe der Westdeutsche Rundfunk (WDR) seit 2008 gleich zehn von 111 Abstimmungen manipuliert. Vielleicht gerade noch nachvollziehbar waren dabei Eingriffe bei Umfragen, in denen sich «die Klicks für einzelne “Kandidaten” dermaßen auffällig gehäuft haben, dass ein organisierten Hochklicken durch Interessengruppen auf der Hand lag» – etwa bei Sendungen zu den beliebtesten Bauwerken und Ausflugszielen in Nordrhein-Westfalen. Aber auch bei Stimmgleichheiten, oder einer, aus Sicht der Redaktion, zu geringen Beteiligung bastelten sich die Verantwortlichen ihre Ergebnisse offenbar nach eigenen Wünschen zusammen. Dafür seien dann «weitere journalistische Kriterien» wie statistische Werte herangezogen worden.

Auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) räumte Manipulationen ein. So sei 2013 in den Sendungen 21 Dinge, die man in Berlin erlebt haben muss und 21 Dinge, die man in Brandenburg erlebt haben muss die ausgestrahlte Reihenfolge «nicht mit dem Abstimmungsergebnis überein». Die Begründung des Berliner Gebührensenders klingt dabei derart arrogant, dass sie glaubhaft sein dürfte: «Die zuständige Redaktion habe eine andere Sendedramaturgie für wirkungsvoller gehalten und daher die Reihenfolge verändert», heißt es in einer Erklärung. So rutschte die Berliner Ringbahn von Platz zwei der Favoriten auf Rang 13. Nach Ansicht des RBB sei die Ringbahn seit der S-Bahn-Krise eher «Teil des täglichen Leidensweges als eines Erlebnisses» und damit offenbar nicht sehenswert – was die Zuschauer allerdings anders eingeschätzt hatten. Stattdessen setzte die RBB-Redaktion selbstherrlich die Robbenfütterung im Zoo auf den zweiten Platz. Diese Manipulation «hat in der Folge dann weiteren Veränderungen aus ähnlichen Gründen den Boden bereitet», so ein RBB-Sprecher im Tagesspiegel – zu Deutsch: die Manipulateure sind so richtig auf den Geschmack gekommen. Bei den Sehenswürdigkeiten, die in Brandenburg einen lohnen, wurde schließlich ab Rang 12 «wild gewürfelt», wie der Tagesspiegel schreibt.

Der Hessische Rundfunk (HR) bastelte sich die Ergebnisse von drei Rankingsendungen nach eigenem Belieben neu. So störte die Redaktion etwa, dass sich bei der Abstimmung zur Sendung Die beliebtesten Klassiker des Kinderfernsehens zwei Trickfilme auf benachbarten Plätzen wiederfanden. Zudem räumte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) ein, elf Umfragen in Radio und Fernsehen manipuliert zu haben, etwa bei der Sendung  Top Flops Gala 2013 und Die bedeutendsten Norddeutschen.

Keine Manipulationen fanden angeblich Südwestrundfunk und Bayerischer Rundfunk – allerdings nicht aufgrund höheren journalistischen Ethos. Während die Münchner Anstalt schlicht keine Rankingsendungen produziert, lassen die Stuttgarter ihre Zuschauer lieber gar nicht erst abstimmen. Man gehe «mittlerweile mehr und mehr zu redaktionellen Rankings über».

Wer nun mit einer wenigstens zur Schau gestellten Demutsreaktion der Verantwortlichen in den aus der Zwangsgebühr von monatlich 17,98 Euro pro Haushalt finanzierten ARD-Anstalten gerechnet hat, liegt falsch. «Weil Bildrechte fehlten, die Materiallage schlecht war oder aus dramaturgischen Gründen wichen einzelne Platzierungen in sogenannten Ranking-Sendungen vom Online-Voting ab», so die lapidare Erklärung des NDR. Die Vorsitzende des Hamburger Rundfunkrates, Ute Schildt, verkündete als offenbar besondere Leistung, dass seine Intendanz die Untersuchung frühzeitig in Auftrag gegeben hat – eine interne Aufklärung, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Über weitere Konsequenzen soll der Rundfunkrat im September beraten.

HR-Intendant Helmut Reitze scheint gar nicht die Manipulation als solche zu stören – sondern lediglich die Informationspolitik seines Hauses. «Die redaktionellen Eingriffe ins Voting im HR-Fernsehen hätten dem Publikum transparent gemacht werden müssen». Ähnlich sieht es auch der WDR. «Obwohl es sich hier eindeutig um journalistisch begründete Korrekturen am Voting handelte, hätten diese dem Publikum gegenüber transparent gemacht werden müssen», heißt es in einer Erklärung. Beim RBB gibt man sich dagegen etwas kleinlauter: «Wenn wir das Publikum abstimmen lassen, muss das Ergebnis gelten. Die beiden betroffenen Sendungen sind deshalb für eine weitere Ausstrahlung gesperrt und aus unserer Mediathek entfernt», erklärte etwa der Programmbereichsleiter Neue Zeiten Heiner Heller. Zumindest der zweite Satz ist jedoch eine offenkundige Schutzbehauptung: nach den derzeit gültigen Richtlinien für die Mediatheken müssen Sendungen ohnehin eine Woche nach Ausstrahlung entfernt werden – beide Programme gingen bereits im vergangenen Jahr über den Sender.

Bereits die jetzt eingeräumten Manipulationen sprechen nicht nur journalistischen Standards Hohn – vor allem mehren sie den Verdacht, die von den Anstalten selbst veröffentlichten Fälle könnten nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Immerhin handelt es sich in allen Fällen um Sendungen des seichten Unterhaltungsformats – für Berlin und die Welt ist es letztlich von nebensächlicher Bedeutung, ob die Hauptstädter lieber S-Bahnzüge oder Robben bei deren Mittagessen beobachten. Weitreichendere Konsequenzen hätten dagegen Veränderungen bei politischen Umfragen.

Beweise für solche Zensurmaßnahmen gibt es nicht – jedoch auffallende Entwicklungen. Nach einer jüngsten, vom WDR erstellten ARD-Umfrage zum Krieg in der Ukraine meinten angeblich 80 Prozent der Deutschen, dass Russland «einen großen Teil der Verantwortung» trage. 70 Prozent begrüßten die verschärften EU-Sanktionen gegen Moskau, eine erdrückende Mehrheit von sogar 99 Prozent schätzten Russlands Präsidenten Wladimir Putin als sehr gefährlich ein. Sollten diese Werte stimmen, hätte etwa die Hälfte der Deutschen ihre Position in der Ukraine-Frage seit dem Frühjahr diametral verändert. Damals jammerten öffentlich-rechtliche Sender und Mainstream-Zeitung im Chor über angebliche Putin-Trolle, die organisiert Umfragen und Foren torpedieren würden. Reagierte der WDR auf diese politische Unkorrektheit nun mit «journalistisch begründeten Korrekturen»?

Ebenso zum Repertoire gehört offenbar das Weglassen nicht genehmer Zuschauerreaktionen. So ließ etwa die Sendung Hart aber fair, ebenfalls vom WDR für das ARD-Gemeinschaftsfernsehen produziert, im Mai 2013 ihre Zuschauer die Frage «Wünschen Sie sich die D-Mark zurück? » abstimmen. Auf das Ergebnis ging Moderator Frank Plasberg später nicht mehr ein. Den wahrscheinlichen Grund zeigen Screenshots der Hart-aber-fair-Internetseite: 80 Prozent votierten dort für eine Rückkehr zur nationalen Währung. Spätere Ausschnitte zeigen, dass die Umfrage online offenbar durch «journalistisch» ausgewählte Zuschauermails ersetzt wurde.

USA sollen direkt an israelischen Angriffen in Nahost beteiligt sein

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Quelle: N-TV

Washington (dpa) – Die US-Regierung und ihre Verbündeten sollen laut den Unterlagen von Edward Snowden seit Jahren direkt an Angriffen Israels in Nahost beteiligt sein. Das geht aus Recherchen des Journalisten Glenn Greenwald hervor. Demnach habe der US-Geheimdienst NSA sein israelisches Pendant SIGINT National Unit seit rund zehn Jahren verstärkt unterstütze, unter anderem bei der Überwachung und Zielerfassung von Palästinensern, schrieb Greenwald auf dem Onlineportal «The Intercept».

Israles „“Hitler-artiger Faschismus“

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Quelle: N-TV

„Hitler-artiger Faschismus“: Erdogan attackiert erneut Israel

Die Türkei will im aktuellen Gaza-Konflikt vermitteln. Gleichzeitig kritisiert Premier Erdogan Israel scharf – und zieht erneut einen Vergleich mit Hitler. Es ist nicht sein erster Ausfall dieser Art.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat Israel wegen seines Vorgehens im Gazakonflikt erneut verbal attackiert und dem jüdischen Staat dabei einen „Hitler-artigen Faschismus“ vorgeworfen. „Der Völkermord Israels erinnert an den Völkermord Hitlers“, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu den Regierungschef am Donnerstag bei einer Rede im osttürkischen Van.

Die Schreie getöteter palästinensischer Kinder „werden nicht unbeantwortet bleiben“, sagte Erdogan weiter. Erst vor knapp zwei Wochen hatte der türkische Ministerpräsident Israel wegen seiner Militäroffensive im Gazastreifen Grausamkeiten vorgeworfen, die sogar „Hitler“ überträfen.

Die Israelis verfluchten Hitler für den Holocaust, „aber jetzt hat der terroristische Staat Israel mit seinen Gräueltaten in Gaza Hitler übertroffen“, zitierte ihn Anadolu. Zugleich betonte er damals: „Der Ärger und Abscheu der Türkei richtet sich gegen den Unterdrücker Israel, nicht gegen das jüdische Volk.“ Bereits zuvor war es zu ähnlichen Ausfällen Erdogans gekommen.

Obama’s ‚helplessness‘ an act: Snowden reveals scale of US aid to Israel

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Quelle: Russia Today

Obama’s ‚helplessness‘ an act: Snowden reveals scale of US aid to Israel

The turmoil gripping the Middle East is a direct result of the provision of cash, weapons and surveillance to Israel by the US, the latest Snowden leak illustrates. Obama’s “helpless detachment” is just for show, the Intercept’s Glenn Greenwald writes.

In a bold examination, the former Guardian journalist reveals the amazing contrast between what the United States says publicly, and what it does behind the curtain. This involves President Barack Obama’s apparent heartbreak over the Middle Eastern region, as well as the American love for publicly listing Israel as a threat to regional peace at a time when billions of dollars’ worth of its weaponry and intelligence were being supplied to the Jewish state since the 1960s.

Greenwald has published his analysis of the latest leaked Edward Snowden document of April 12, 2013, wherein it’s explained just how false the notion that the US is a bystander to the Middle Eastern crisis really is.

In fact, „the single largest exchange between NSA and ISNU is on targets in the Middle East which constitute strategic threats to US and Israeli interests,“ the leaked paper reveals.

„The mutually agreed upon geographic targets include the countries of North Africa, the Middle East, the Persian Gulf, South Asia, and the Islamic republics of the former Soviet Union. Within that set of countries, cooperation covers the exploitation of internal governmental, military, civil and diplomatic communications; and external security/intelligence organizations.“

One of the „key priorities“ of this cooperation is „the Iranian nuclear development program, followed by Syrian nuclear efforts, Lebanese Hizbullah plans and intentions, Palestinian terrorism, and Global Jihad.“ The paper talks about „targeting and exploiting“ these.

It goes on to show that both intelligence services have liaison officers in each other’s embassies, enjoy a „cryptanalytic“ partnership, and that Israel has direct access to the highest American military technology. Greenwald supplements this with proof of millions in emergency US funds stockpiled in the Middle East, which Israel can use for its own strategic purposes by simply writing a request.

Over the last decade, Greenwald writes, the NSA has upped the ante greatly on surveillance technology, funding of operations and weapons to its Israeli counterpart, the SIGINT National Unit. A bulk of this assistance has been used to fight its battles with occupied Palestine – including the Gaza operation, as well as other regional players.

On at least one occasion, a covert transaction of a massive payment in cash to Israeli operatives was carried out as part of the American initiative of using Israel and other US-sponsored actors (including Arab monarchies) to do its surveillance on Palestinian targets for it.

“The new documents underscore the indispensable, direct involvement of the US government and its key allies in Israeli aggression against its neighbors. That covert support is squarely at odds with the posture of helpless detachment typically adopted by Obama officials and their supporters,” Greenwald bluntly states.

That is despite the US president’s statement on how “heartbreaking” it is to see the Gaza crisis unravel, “as if he’s just a bystander, watching it all unfold”, wrote Corey Robin, a Brooklyn College Professor. “Obama talks about Gaza as if it were a natural disaster, an uncontrollable biological event.”

Greenwald goes on to list the occasions on which the US has been exposed as supplying arms to Israel; the last such occasion was just before the start of the operation in Gaza, wherein a $1 billion stockpile of ammunition the US stored in Israel specifically for situations like these was used. The origins of this particular stockpile date back to the 1990’s, when the US European Command allegedly stocked it there for future use.

What was not known to many is that Israel only had to make an emergency request to have access to it. One such case was the 2006 war against Hezbollah in Lebanon.

Further support involved multiple UN resolutions shielding Israel from international condemnation and enabling it – something Greenwald sees as peculiar, given the American media’s shocked reaction at how the Middle East situation supposedly takes on a life of its own, despite everyone’s best efforts.

“The new Snowden documents illustrate a crucial fact: Israeli aggression would be impossible without the constant, lavish support and protection of the US government, which is anything but a neutral, peace-brokering party in these attacks. And the relationship between the NSA and its partners on the one hand, and the Israeli spying agency on the other, is at the center of that enabling,” Greenwald writes.

Numerous evidence of this includes the Guardian’s September 2013 disclosure of American “routine” sharing of raw intelligence with Israel without bothering to remove data on US citizens. But the new Snowden leak, published this Monday by the Intercept, details also how the “NSA maintains a far-reaching technical and analytical relationship with” Israeli intelligence, involving all types of data from communications intercepts to targets, language and analysis.

Israeli defense intelligence and Mossad are exposed as key partners in this relationship, under which access to “geographic targets [that] include the countries of North Africa, the Middle East, the Persian Gulf, South Asia, and the Islamic republics of the former Soviet Union” is freely provided by the US.

Further to that, Israel’s intelligence has access to advanced American military technology and equipment for use against what Israel candidly calls “Palestinian terrorism.”

And this cooperation dates back to the late 1960s, while expanded greatly in 2003.

It is therefore unclear to Greenwald how the NSA then lists Israel among the number of threats to Middle Eastern regional security. The public statements made by American and British officials are in stark contrast to what the latest Snowden leak reveals.

„Illusion einer Untersuchung“

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Quelle: N-TV

„Illusion einer Untersuchung“: Greenwald lässt NSA-Ausschuss abblitzen

Eigentlich sollte Glenn Greenwald vor dem NSA-Ausschuss des Bundestages aussagen. Nun zieht er seine Zusage zurück – den Parlamentariern wirft er „leere Symbolik“ vor, ohne aufklären zu wollen. Und Snowdens Zeit in Russland ist womöglich abgelaufen.

Aus Protest gegen den Umgang mit dem früheren Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hat der US-Journalist Glenn Greenwald überraschend seine Aussage im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages abgesagt. Er habe seinen Schritt per E-Mail mitgeteilt, sagte der Ausschussvorsitzende Patrick Sensburg. Greenwald kritisierte das Vorgehen im Ausschuss scharf und begründete seine Absage damit, dass das Gremium keine Befragung Snowdens in Deutschland ermögliche.

Snowden hatte vor gut einem Jahr in großem Stil vertrauliche Dokumente über die ausufernde Überwachungspraxis der National Security Agency NSA an Journalisten übergeben – als erstes an Greenwald. Ursprünglich hatte der NSA-Ausschuss geplant, Greenwald in der ersten Sitzung nach der parlamentarischen Sommerpause – am 11. September – per Videoschalte aus Brasilien zu befragen. Der Journalist lebt in Rio de Janeiro. Dazu kommt es nun aber nicht. „Es ist schade, dass er nicht mehr zur Verfügung steht. Ich nehme das jetzt erst mal zur Kenntnis“, sagte Sensburg. „Aber vielleicht überlegt es sich Herr Greenwald ja noch mal.“ Der US-Journalist sei ein wichtiger Zeuge.

Schwere Vorwürfe

Der Ausschuss soll die NSA-Affäre aufarbeiten. In seinem Schreiben erhebt Greenwald schwere Vorwürfe gegen das Gremium. Er wolle den Bundestag zwar gerne bei einer „ernsthaften Untersuchung“ unterstützen. Doch die Absage an eine Anhörung Snowdens vor dem Ausschuss zeigt nach Ansicht Greenwalds, dass es den Parlamentariern wichtiger sei, die USA nicht gegen sich aufzubringen, als die Spionageaffäre ernsthaft aufzuklären.

Snowden sei der „Schlüsselzeuge“ in der Affäre, betonte Greenwald. Daher lehne er es ab, an einem „Ritual“ teilzunehmen, das die „Illusion einer Untersuchung“ darstellen solle, aber tatsächliche Aufklärung vermeide. Die deutsche Öffentlichkeit solle mit „leerer Symbolik“ beschwichtigt werden, so der Vorwurf Greenwalds.

Sollte das Parlament doch noch den Mut finden, Snowden persönlich in Deutschland zu befragen, würde er seine Haltung aber noch einmal überdenken, schrieb der Journalist.

Monatelange Hängepartie

Die Opposition in Berlin bemüht sich seit Monaten, Snowden für eine Aussage vor dem NSA-Ausschuss nach Deutschland zu holen. Die Bundesregierung hat eine Vernehmung des Amerikaners auf deutschem Boden bislang aber immer abgelehnt und dies mit einem angeblich drohenden Schaden für das deutsch-amerikanische Verhältnis begründet. Auch die schwarz-rote Ausschussmehrheit stemmte sich gegen eine Vernehmung in Deutschland. Eine Aussage in Russland wiederum, wo sich Snowden derzeit aufhält, lehnt der Whistleblower ab.

Die USA suchen Snowden per Haftbefehl. Seit dem 1. August 2013 hat der Ex-NSA-Mitarbeiter Asyl in Russland, begrenzt auf ein Jahr. Das heißt, die Aufenthaltserlaubnis lief formell in der Nacht zum Freitag ab. Noch ist unklar, ob Snowden länger in Russland bleiben darf. Die dortige Einwanderungsbehörde hatte bereits vage eine Verlängerung in Aussicht gestellt. Eine offizielle Verkündung von russischer Seite dazu steht aber noch aus. Eine von den USA wiederholt geforderte Auslieferung galt weiter als äußerst unwahrscheinlich. Unklar ist auch, ob Snowden diesmal möglicherweise politisches Asyl in Russland beantragt hat.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sprach sich dafür aus, Snowden eine Rückkehr in seine Heimat USA zu erleichtern. „Er bliebe sonst Zeit seines Lebens verfolgt“, sagte er. Ähnlich hatte sich zuvor Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) geäußert.

Opposition verärgert

Der Grünen-Obmann im NSA-Untersuchungsausschuss, Konstantin von Notz, erklärte, die alleinige Verantwortung für die Absage Greenwalds liege bei der großen Koalition. Der US-Journalist „könnte zweifellos maßgeblich zur Aufklärung des größten Überwachungs- und Geheimdienstskandals aller Zeiten beitragen“. Die jetzige Entscheidung sei „bitter, aber durchaus verständlich“. Seine Partei werde auch weiterhin für eine Aussage Snowdens vor dem Ausschuss in Berlin und eine tatsächliche Aufklärung durch das Parlament kämpfen, betonte der Grünen-Parlamentarier.

Linken-Fraktionsvize Jan Korte nannte Greenwalds Absage „so ärgerlich wie nachvollziehbar“. Auch er forderte CDU/CSU und SPD auf, Snowden in der Bundesrepublik anzuhören. Korte kritisierte, die große Koalition nehme eine „Blockadehaltung“ ein. Dabei gehe es ihr nicht in erster Linie um Rücksichtnahme auf internationale Partner. Die Regierung habe stattdessen vor allem Angst davor, „Snowden könnte ungefilterte Informationen über die Rolle deutscher Geheimdienste im Überwachungsskandal auf den Tisch legen“, erklärte der Linken-Abgeordnete

Ein Jahr Unterwürfigkeit ist genug

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Quelle: N-TV

Ein Jahr Unterwürfigkeit ist genug: Bundesregierung muss Snowden schützen

Ein Kommentar von Issio Ehrich

Die Bundesregierung will Edward Snowden auch nach einem Jahr im russischen Asyl nicht nach Deutschland holen. Echte Argumente für ihre Blockade hat sie nicht. Sie bemüht erbärmliche Ausflüchte.

Seit einem Jahr ist der Whistleblower Edward Snowden nun schon auf Asyl von Kreml-Chef Wladimir Putin angewiesen. Und alles sieht danach aus, dass ein weiteres Jahr in Russland folgen wird. Aber dieser Tag ist nicht nur ein Drama für einen 31 Jahre alten Mann, der in einem Land leben muss, in dem er nicht leben will. Dieser Tag ist auch ein Drama für die Bundesrepublik. Er manifestiert ein Jahr der Unterwürfigkeit. Alles sieht danach aus, dass noch ein weiteres folgen wird. Doch was in Sachen NSA-Affäre von der Bundesregierung zu hören ist, sind peinliche Ausflüchte.

Snowden hat die massiven Spähmanöver von US-Geheimdiensten auf der ganzen Welt aufgedeckt. Spähmanöver, die mit großer Wahrscheinlichkeit auch gegen deutsches Gesetz verstoßen haben. Die Bundesregierung bietet dem Mann, der ihr geholfen hat, dies zu erkennen, trotzdem keinen Schutz an. Sie will ihn nicht einmal vorübergehend nach Deutschland holen, damit er vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages aussagen kann.

Die Bundesregierung macht sich vor Washington damit noch kleiner, als sie es ohnehin ist. Sie gibt vor der ganzen Welt ein erbärmliches Bild ab. Denn um das gute Verhältnis zu den USA, die offensichtlich auf deutsches Recht pfeifen, nicht aufs Spiel zu setzen, schrecken Koalitionspolitiker nicht einmal davor zurück, die eigene Bevölkerung zu narren. Da ist dann schnell vom Nutzen amerikanischer Geheimdiensttätigkeit die Rede, ohne die deutsche Behörden nicht für die Sicherheit ihrer Bürger garantieren könnten. Doch das ist eine hohle Phrase. Bei diesem Argument blenden sie aus, dass die Freiheit, eine Privatsphäre zu haben, ein mindestens genauso wichtiges Gut ist. Sie verweisen zudem gern darauf, dass Snowdens Enthüllungen auch in Deutschland den Straftatbestand des Geheimnisverrats erfüllen würden. Dieses Argument ist ebenfalls eine Farce.

Ja, Snowden hat vertrauliche Informationen von Geheimdiensten preisgegeben. Ob er damit die Sicherheit der US-Bürger aufs Spiel gesetzt hat, konnte ihm bisher allerdings niemand nachweisen. Unstrittig ist dagegen, dass er ein systematisches staatliches Unwesen aufgedeckt hat.

Wenn es auf Grundlage des deutschen Gesetzes keine Möglichkeit geben sollte, so einem Menschen Schutz zu gewähren, dann muss es die Aufgabe einer Bundesregierung sein, diese Grundlage zu ändern. Dazu hat sie alle Möglichkeiten. Die Opposition wird der Koalition kaum im Wege stehen. Die plant schließlich eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht, um Snowden zumindest für eine Befragung vor dem NSA-Ausschuss nach Deutschland holen zu können.